Symbolbild: imago images / Lichtgut

Covid-19 in fast allen Bundesländern

3.3.2020 16:44 Uhr

Erstmals sind auch in Mecklenburg-Vorpommern zwei Patienten nachweislich an dem neuen Coronavirus erkrankt. Die beiden Personen aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald seien umgehend zuhause isoliert worden, teilte die zuständige Amtsärztin Marlies Kühn am Dienstag in Greifswald mit.

Zuletzt aktualisiert : 3/3/2020 17:48

Erster Coronavirus-Fall im Saarland nachgewiesen

Bislang gehörte das Saarland zu den wenigen Bundesländern, die noch ohne einen Coronavirus-Nachweis waren. Nun ist auch dort erstmals eine Infektion festgestellt worden.

Im Saarland ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt worden. Das teilte das saarländische Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt. Das Ministerium hat für Dienstagabend (19.00) zu einer Pressekonferenz in Saarbrücken eingeladen.

Das Saarland war zuletzt noch eines der wenigen Bundesländer ohne Sars-CoV-2-Infektionen gewesen. Bundesweit gibt es mit Stand Dienstagmittag rund 190 Fälle. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnete aber mit weiteren Fällen und Ausbrüchen in Deutschland. Am stärksten betroffen sind bislang die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Am Montagabend waren erste Fälle in Brandenburg, Thüringen und Sachsen bekannt geword

Zuletzt aktualisiert : 3/3/2020 17:11

Erste Fälle in Brandenburg, Thüringen und Sachsen

Seit Montagabend gibt es in fast allen Bundesländern nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Insgesamt stieg die Zahl der erfassten Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus in Deutschland auf rund 170.

Mit mehr als 90 Fällen verzeichnet Nordrhein-Westfalen bei Weitem die meisten registrierten Ansteckungen. Noch keine Meldungen gab es lediglich aus dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Erstmals wurden am Montag Fälle aus Brandenburg (1), Thüringen (1) und Sachsen (1) gemeldet. In Berlin, wo der erste Fall am Sonntagabend bekannt wurde, kamen zwei weitere Infektionen hinzu. Da eine Lehrkraft unter den Infizierten ist, bleibt nun auch in der Hauptstadt eine öffentliche Schule geschlossen.

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) befürchtet im Fall einer größeren Epidemie Pflege-Engpässe in deutschen Kliniken. "Wir haben natürlich Flaschenhälse. Der wichtigste davon ist die geringe Zahl der Pflegekräfte, vor allem derer, die in der Intensivmedizin arbeiten können", sagte Lauterbach der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag).

"Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, was sehr gut möglich ist, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen und dann wohl die Krankenhäuser aufteilen in solche, die Corona behandeln, und die, die das nicht tun", ergänzte er. Für Lauterbach sind das aber noch keine aktuellen Problemstellungen. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir, glaube ich, gut unterwegs."

Große Kliniken schon auf größere Epidemie vorbereitet

Große Kliniken wie die Berliner Charité haben sich schon auf eine größere Epidemie vorbereitet. Bei stark steigenden Infektionszahlen bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, geplante Eingriffe zu verschieben, um kurzfristig weitere Bettenkapazitäten zu schaffen, hieß es. Durch die Verschiebung könne auch zusätzliches Personal für die Versorgung von Covid-19-Patienten hinzugezogen werden. Die neun landeseigenen Berliner Vivantes-Kliniken verfügen darüber hinaus nach eigenen Angaben über rund 1860 isolierfähige Zimmer. Berlin ist mit 3,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Deutschlands.

Doch nicht jeder Infizierte erkrankt auch. Die große Mehrheit der Betroffenen hat Erkältungssymptome oder gar keine Beschwerden. Schwerere Krankheitsverläufe entwickeln nach den bisherigen weltweiten Erkenntnissen bis zu 15 Prozent der Betroffenen. Häufig sind darunter alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Die Isolation der Betroffenen und die Suche nach Kontaktpersonen erfolgt, damit sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Dadurch soll möglichst viel Kapazität im Gesundheitssystem erhalten bleiben.

Steigende Zahlen in China und Südkorea

Außerhalb Chinas, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte, ist Südkorea am schwersten betroffen. Die Gesundheitsbehörden meldeten 600 neu nachgewiesene Infektionen. Die Gesamtzahl erreichte 4812. Die Zahl der Toten, die mit dem neuen Coronavirus in Verbindung gebracht werden, kletterte um 2 auf 28. Wieder wurde die Mehrheit der Fälle in der südöstlichen Millionen-Stadt Daegu und der umliegenden Region erfasst. Die größte Häufung gibt es unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die Verbindungen nach China hat.

In China stieg die Zahl der Toten weiter um 31 auf 2943, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Mit 125 neu registrierten Infektionen nahm die Zahl der Virusfälle auf 80.151 zu. Alle neuen Todesfälle sowie die meisten Ansteckungen sind demnach in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina zu beklagen.

Das wahre Ausmaß der Epidemie in China scheint aber unklar, da die Zählweise mehrfach geändert wurde, was sich spürbar auf die amtliche Statistik auswirkt. Wie das chinesische Magazin "Caixin" berichtete, können beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr als neu bestätigte Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgelistet werden. Solche Personen können auch ansteckend sein.

Auch sind klinische Diagnosen ausgenommen worden. Da die DNA-Tests oft fehlerhaft sind, stellt der Arzt dabei nur anhand der Symptome die Infektion fest. Seit der neuen Zählweise hat sich der Anstieg deutlich reduziert. Die Änderungen können nach Angaben von Experten auch Auswirkungen auf statistische Erhebungen wie etwa die Sterblichkeitsrate haben. "Es zeigt, dass es weiter verbreitet und schwieriger einzudämmen sein könnte, als wir denken, was vielleicht die wichtigste Komponente zu diesem Zeitpunkt ist", zitierte "Caixin" den Experten Michael Mina von der Harvard School of Public Health.

(gi/dpa)

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