imago images / Xinhua

Coronavirus erreicht Europa

25.1.2020 23:16 Uhr

Die neue Lungenkrankheit hat sich in China stark ausgebreitet und inzwischen auch Europa erreicht. In Frankreich wurden am Freitagabend drei Fälle nachgewiesen. Die Patienten sind in Krankenhäusern in Quarantäne. In China stieg die Zahl der Infizierten an einem Tag um über 400 auf mehr als 1300. Außer Tibet sind alle Regionen des Landes betroffen. Die Zahl der Toten kletterte von 26 auf 41. Um eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, hat China drastische Maßnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde.

Als erstes Land in Europa meldete Frankreich drei Patienten mit dem neuen Virus. Wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte, wurden zwei Fälle in Paris diagnostiziert, ein weiterer in Bordeaux. Alle Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten. Jeder, der in engem Kontakt mit den drei Infizierten stand, werde jetzt überprüft. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn. "Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand." In Bordeaux wurden die Feiern zum chinesischen Neujahr am Sonntag abgesagt.

Ausbreitung auf Europa wurde erwartet

Für die EU-Präventionsbehörde ECDC kamen die Fälle nicht unerwartet. "Zu diesem Zeitpunkt ist es wahrscheinlich, dass es mehr importierte Fälle in Europa geben wird", teilte die Behörde mit. Auch wenn viele Details zum Virus noch unbekannt seien, hätten die europäischen Länder die Kapazitäten, um einen Ausbruch direkt nach der Entdeckung von Fällen zu verhindern. Bestätigte Infektionen wurden auch aus den USA, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur, Taiwan und Australien gemeldet. In Großbritannien wollten Gesundheitsexperten etwa 2000 Fluggäste aus China aufspüren, die in den vergangenen zwei Wochen ins Vereinigte Königreich geflogen sind. Mediziner hielten es für wahrscheinlich, dass sich Infizierte bereits im Land aufhalten.

Chinas Führung setzte auf höchster Parteiebene eine leitende Arbeitsgruppe zum Umgang mit der Lungenkrankheit ein. Der Beschluss fiel am Samstag auf einer Krisensitzung des Politbüros unter Leitung von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Aus Angst vor einer Einschleppung des Virus stoppt die Hauptstadt Peking von Sonntag an ihren Busverkehr mit den Provinzen. In Peking gibt es bereits rund 30 bestätigte Fälle. Nicht alle werden aber auf Besuche in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina zurückgeführt.

China mobilisiert seine Ärzte und Pfleger

Dort ist die Elf-Millionen-Metropole Wuhan besonders schwer betroffen. Das neue Coronavirus ist Ende vorigen Jahres vermutlich von einem Tiermarkt der Stadt ausgegangen. Die Krankenhäuser sind völlig überfordert. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten sogar zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt. Nachdem in Wuhan mit dem Bau eines Hospitals mit 1000 Betten begonnen worden war, soll ein weiteres mit 1300 Betten folgen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger mobilisiert und nach Wuhan entsandt, darunter 450 vom Militär. Auch wurden 14 000 Schutzanzüge bereitgestellt. Augenzeugen berichten von langen Schlangen an überfüllten Krankenhäusern. Die Lage in den anderen abgeschotteten Millionenstädten war unklar. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt und Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt.

Versorgung von Wuhan gesichert

Trotz der Abschottung ist die Versorgung der Metropole nach amtlichen Angaben nicht gefährdet. "Die Versorgung der Märkte ist gesichert", versicherte der Gouverneur der Provinz Hubei, Wang Xiaodong. Die Frachtkanäle blieben offen. Auch würden weiter Agrarprodukte aus anderen Provinzen nach Wuhan transportiert.

Die größte Gefahr sei die Zu- und Abwanderung der Menschen. Deswegen sei die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus die Beschränkung der Bewegungsfreiheit. "Wenn dieses Problem nicht gelöst worden wäre, hätte es größeren Schaden für Leben und Gesundheit der Menschen auslösen können", rief er nach Angaben der "China Daily" zu Verständnis für die drastischen Maßnahmen auf.

Robert Koch-Institut rät von Panik ab

Die Regierung ordnete landesweit Kontrollen und Hygienemaßnahmen im Transportwesen an. An Flughäfen, Bahnhöfen, Busstationen und Passagierhäfen sollen Fiebermessgeräte installiert werden. Auch müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie Infizierte isoliert oder Verdachtsfälle beobachtet werden könnten. Am Samstag stand an vielen Verkehrsknotenpunkten schon Personal, das mit Hand-Messgeräten die Temperatur von Reisenden maß.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus. "Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten", sagte Lothar Wieler im "Heute Journal" des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der Erkrankungen noch nicht genau beurteilen. "Wir haben keine vollständigen Informationen."

(ce/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.