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Coronavirus: Deutschland gegen Italien als Geisterspiel

10.3.2020 19:44 Uhr

Rheinisches Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln ohne Zuschauer, das Ruhrpott-Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 ebenso. BVB gegen Paris Saint-Germain, FC Bayern München gegen den FC Chelsea, Bayern gegen den BVB - die Liste der Spiele, die ohne Zuschauer stattfinden soll oder wird, ist sehr, sehr lang. Vielleicht wäre es sinnvoll, wie Werder Bremen anregte, alles abzusagen, die EM2020 zur EM2021 zu machen und dann die Bundesliga, die Champions League, die Europa League und viele weitere europäische Ligen in den Sommer zu ziehen. Denn Fußball ohne Zuschauer ist wie die Suppe ohne einen Hauch von Würze.

Das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 31. März in Nürnberg gegen Italien wird wegen der Ausbreitung des Coronavirus ohne Zuschauer ausgetragen. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag mit. Vorausgegangen war die Entscheidung des Freistaats Bayern, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zu untersagen. "Über allem steht die Gesundheit. Wir sind im täglichen und intensiven Kontakt mit den zuständigen Stellen und vertrauen auf deren Expertise. Die Behörden haben nun klare Vorgaben gemacht, für die wir in dieser für uns schwierigen und komplexen Frage sehr dankbar sind. Auch wenn es natürlich bitter ist, dass dieser Klassiker vor leeren Rängen stattfinden muss", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius.

Rheinisches Derby vor leeren Rängen

Für Bundestrainer Joachim Löw ist die Begegnung eines von nur zwei Länderspielen vor der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Kaders Mitte Mai. Am 26. März trifft die DFB-Auswahl in Madrid auf Spanien. Ob die Zuschauer auch von dieser Partie ausgesperrt werden, ist offen. Die spanische Primera Division lässt die kommenden beiden Spieltage ohne Fans austragen. Nach dem Jahresauftakt stehen für Löw im Trainingslager in Seefeld/Tirol noch zwei Testspiele auf dem Plan. Am 31. Mai soll in Basel gegen die Schweiz gespielt werden, der Gegner für die EM-Generalprobe wenige Tage später ist offen.

Das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln wird das erste "Geisterspiel" in der Geschichte der Fußball-Bundesliga sein. Am Wochenende folgen weitere. Das Coronavirus hat endgültig auch das deutsche Fußball-Oberhaus eingeholt. Nicht nur die Nachholpartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch geht ohne Publikum über die Bühne. Mindestens fünf weitere Partien des kommenden Spieltags finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, darunter das 178. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04.

Viele Länder untersagen Zuschauer bei Fußballspielen

Die Regierungen der Länder Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein und Bremen untersagten als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Virus, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern auszurichten. Damit folgten sie der Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). In Bayern gilt diese Regelung zunächst bis zum 19. April, in Bremen bis zum 26. März und in Schleswig-Holstein bis zum 10. April. In NRW nannten Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (beide CDU) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz keine zeitliche Befristung. "Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat dem Kabinett einen Erlass zur Bewertung von Großveranstaltungen vorgestellt, der heute an alle Kommunen geht und verbindlich ist", teilte Laschet mit. In NRW sind die meisten Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert.

Im deutschen Oberhaus betrifft die Maßnahme am kommenden 26. Spieltag zunächst die Partien zwischen Fortuna Düsseldorf und dem SC Paderborn am Freitag, das Revierderby und die Partie Köln gegen den FSV Mainz 05 am Samstag, das Spiel des FC Augsburg gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag sowie das Duell zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen am Montag. Das rheinische Derby in Mönchengladbach ist am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) das erste "Geisterspiel" in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Auch Spielen der 2. Bundesliga sowie der 3. Liga dürfte in den betroffenen Bundesländern ein ähnliches Schicksal blühen.

Absagenflut nicht nur im Fußball

"Die Gesellschaft steht über dem Sport. Fußball ist wichtig, aber es gibt viele Dinge, die viel, viel wichtiger sind. Wir müssen uns dem jetzt stellen", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Gladbach-Trainer Marco Rose sieht "keine einfache Situation" für alle Beteiligten: "Es geht darum, sich mit allen Leuten zu solidarisieren, die Schaden davontragen können." Dortmunds Coach Lucien Favre äußerte sich vor der Absagenflut am Rande des Abflugs nach Frankreich, wo sein Team am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) bei Paris St. Germain bereits ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten muss. "Niemand weiß, ob das die richtige Entscheidung für den Fußball ist. Der Terminplan ist eng und es ist schwer, das zu annullieren", sagte der Schweizer.

Bisher hatten im deutschen Profifußball sechs Spiele ohne Zuschauer stattgefunden - allerdings stets unterhalb des Oberhauses mit jeweils drei Spielen in der 2. Bundesliga sowie der 3. Liga. In Gladbach war am vergangenen Samstag das Westduell zwischen Gladbach und Borussia Dortmund (1:2) noch ohne größere Einschränkung ausgetragen worden. Zu dieser Entscheidung bekannte sich die Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU) am Dienstag: "Vor diesem Spiel gab es weder eine klare Empfehlung von Bundesseite noch klare Vorgaben durch das Land." Laschet sagte, dass die Diskussionen um diese Partien zeigten, "dass wir eine einheitliche Regelung brauchen".

Die Infektionskette soll unterbrochen werden

In Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagvormittag 1139 Infektionen bekannt. Am Montag waren die ersten zwei Todesfälle in Deutschland infolge der Covid-19-Erkrankung bestätigt worden. Eine Aussetzung oder ein Abbruch der Meisterschaft kommt derzeit nicht infrage. "Die laufende Saison 2019/20 muss wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden", hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mitgeteilt.

Die Bundesliga-Klubs reagierten ebenfalls. Unter anderem der 1. FC Köln und der SC Freiburg den Ticketverkauf für alle kommenden Heimspiele, Gladbach und Schalke verzichten vorerst auch auf öffentliche Trainingseinheiten. "Wenn Karteneinnahmen wegbrechen, wäre das natürlich ein Problem. Aber nicht nur für uns, sondern für fast alle Bundesligisten", hatte Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt bereits am Montag gesagt. Die Einnahmen von Bundesliga-Klubs bewegen sich bei Heimspielen im tiefen, einstelligen Millionenbereich.

(ce/afp)

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