dpa

Corona-Krise: Tour de France wird auf August verschoben

15.4.2020 14:42 Uhr

Die Jagd nach dem Gelben Trikot ist vertagt, unter dem wachsenden Druck der Regierung beugt sich auch die Tour de France der Coronakrise: Die 107. Frankreich-Rundfahrt ist wegen der Pandemie um rund zwei Monate verschoben worden und soll nun vom 29. August bis zum 20. September durch das schwer von der Seuche gebeutelte Land rollen. Ursprünglich hätte das wichtigste Rennen der Welt am 27. Juni in Nizza beginnen sollen.

"In den vergangenen Wochen gab es eine ständige Kommunikation zwischen Fahrern, Teams, den Organisatoren und anderen relevanten Dritten. All dies geschah mit der Unterstützung des Weltverbandes UCI, der für die Organisation eines neuen globalen Rad-Kalenders verantwortlich ist, in dem die Tour einen Ehrenplatz einnimmt", hieß es in einer Mitteilung der ASO: "Die Organisatoren der Tour de France stehen in regelmäßigem Kontakt mit allen beteiligten Parteien, von den örtlichen Gemeinden bis zu den Behörden."

Neuer Termin mit Fragezeichen

Ob der neue Termin zu halten ist, wird lange offen bleiben: Frankreich hat mittlerweile mehr als 15.000 Tote zu beklagen - fünfmal soviel wie China. Angesichts dessen in vier Monaten rund zehn Millionen Fans im engen Kontakt an die Straßen zu bringen, scheint derzeit ein Stück weit illusorisch.

Mit der Tour de France, Frankreichs wichtigstem Sportereignis, wird auch das letzte Großereignis des Sommers wegen der Corona-Pandemie nicht nach Plan ausgetragen. Zuvor waren die Olympischen Spiele sowie die Fußball-EM ins Jahr 2021 verschoben und Wimbledon abgesagt worden. Auch eine Vielzahl von Radrennen, etwa der wichtige Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix, waren zuvor bereits gestrichen worden.

Macron macht Strich durch Rechnung

Der überfälligen Entscheidung bezüglich der Tour war ein Entschluss der Regierung unter Staatspräsident Emmanuel Macron vorausgegangen. In einer TV-Ansprache am Abend des Ostermontags hatte er eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen in Frankreich verkündet. Außerdem wurden große Veranstaltungen bis Mitte Juli verboten.

Trotz dieser Ankündigung tickte der Countdown auf der Internetseite der Tour de France am Dienstag munter weiter. Eine schnelle Reaktion des Veranstalters blieb zunächst aus.

Tour für Radsport überlebenswichtig

Eine Absage der prestigereichsten Rad-Rundfahrt steht nicht zur Debatte - zumindest nicht jetzt. Die Austragung der Großen Schleife ist für den Profi-Radsport schlichtweg überlebenswichtig.

"Solange die Tour stattfindet - und es ist relativ egal, ob Zuschauer zugelassen sind oder nicht, und, ob wir im Juni, Juli oder August fahren - kommen wir mit einem blauen Auge davon", hatte Ralph Denk, Teamchef des deutschen Top-Teams Bora-hansgrohe, dem SID gesagt: "Wenn sie nicht stattfindet, wäre es schon blöd."

Gehälter gekürzt, Verträge aufgelöst

Ein Großteil der Werbeeinnahmen der Teams - etwa 70 Prozent - werden bei der Tour generiert. Ohne die Frankreich-Rundfahrt stünden einige Mannschaften vor dem Aus. Die Corona-Pandemie zwang bereits mehrere Teams zu massiven Einsparungen, so reduzierte unter anderem das Team CCC die Gehälter seiner Fahrer bis zum Saisonende stark und löste die Verträge mit einem Großteil der Mitarbeiter vorübergehend auf. Auch deshalb hielt Prudhomme zumindest öffentlich am angedachten Termin fest.

Die Tour de France ist seit ihrer Premiere 1903 nur im Zuge der beiden Weltkriege abgesagt worden. Am 13. März war mit dem 103. Giro d'Italia bereits die erste große Landesrundfahrt vorläufig abgesagt worden, hier steht ein neuer Termin noch nicht fest.

(bl/dpa)

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