dpa

Corona-Krise: Autokinos erleben fulminantes Comeback

9.4.2020 12:41 Uhr, von Björn Lücker

Sie galten als ausgestorben und waren nur noch als Nischenprogramm in einzelnen Städten zu finden. Videorekorder, DVD-Player und zuletzt die Streamingdienste via Internet drohten dem Autokino den finalen Todesstoß zu versetzen. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Mitten in der Corona-Krise feiert das Autokino 60 Jahre nach der Erfindung ein fulminantes Comeback. Denn die Autokinos sind für die Menschen die letzten kulturellen Anlaufstationen.

Weil derzeit durch das Kontaktverbot Museen, Theater und normale Kinos geschlossen sind, setzten sich die Menschen wieder kurz entschlossen in ihr Auto und fahren zu den öffentlichen Leinwänden. Diese schießen derzeit in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Heißt es bald wieder, wie es in den wilden 70ern und 80ern bei jungen und auch älteren Pärchen angesagt war: "Schauen wir den Film oder fahren wir ins Autokino?"

Reiz der neugewonnenen Freiheit

So zum Beispiel in Düsseldorf. Dort laufen am Messeparkplatz P1 seit kurzem täglich Filme, darunter auch Blockbuster. Der Ansturm auf die 500 Autoplätze pro Vorstellung ist riesig. Für die nächsten zwei Wochen sind bereits alle Karten vergriffen. Für Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ist das keine Überraschung. "Angebote, die dennoch eine Form des sozialen Miteinanders ermöglichen, sind momentan wichtiger denn je", wird er in der "Welt" zitiert.

Natürlich gibt es auch im Autokino durch die Corona-Krise besondere Regeln. So können Tickets nur online gekauft werden, die dann am Eingang durch die geschlossene Autoscheibe gescannt werden. Eine Abendkasse gibt es nicht. Zudem dürfen nur zwei Personen in einem Auto sitzen, mit Ausnahme der eigenen Kinder. Abschreckend wirken die Regeln jedoch nicht – im Gegenteil: Der Reiz der neugewonnenen Freiheit ist einfach zu groß. Auf einmal werden die Vorzüge des Autokinos von den Menschen wieder neu entdeckt. Abgeschirmt unter dem eigenen Dach fühlen sie sich sicher, können sich gemütlich in den Sitz fläzen, die Beine auf die Amaturen legen und sich sogar eine Zigarette anzünden, wenn sie dazu Lust haben. In einem normalen Kino wäre dies undenkbar.

Konzert der Toten Hosen wäre ein Knaller

Auch Bands und Künstler, die derzeit nicht auftreten dürfen und dadurch kein Geld verdienen, haben das Autokino für sich entdeckt. Wie der "Express" berichtet, verhandelt der Betreiber in Düsseldorf mit der Kölner Kultband Brings über einen zeitnahen Auftritt. Sogar über ein Konzert der "Toten Hosen" wird nachgedacht. Ein "Heimspiel" der Düsseldorfer Punkrocker wäre ein Knaller.

Doch es geht auch still und bedächtig im Düsseldorfer Autokino. Dort wird sogar gebetet, weil auch die Gottesdienste zurzeit verboten sind. Geplant ist ein ökumenischer Gottesdienst an Karfreitag, ein katholischer am Ostersonntag und ein evangelischer an Ostermontag. Über Besucher würden sich die Pfarrer auch hier freuen. Die Gottesdienste sind die einzigen Veranstaltungen, wo noch Stellplätze für Autos frei sind.

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.