Hürriyet

Corona: Arzt warnt Menschen in der Türkei vor Selbstgefälligkeit

2.7.2020 8:50 Uhr

Der Arzt des Gesundheitsministeriums, der den Kampf gegen den Coronavirus in der Türkei hauptsächlich leitet, hat die Bürger des Landes eindringlich davor gewarnt, die Pandemie trotz der seit 1. Juni geltenden Lockerungen zu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. "Diese Selbstgefälligkeit, die wir beobachten, ist nicht gut", sagte Prof. Dr. Mehmet Ceyhan der "Hürriyet".

Der Mediziner kritisiert vor allem, dass die Schutzmasken noch immer nicht konsequent getragen werden und der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zu oft missachtet wird. Dabei würden Infizierte, die keine Symptome zeigen und vielleicht gar nicht wissen, dass sie erkrankt sind, den Virus zu stark verbreiten. Zudem bestehe in der Bevölkerung noch immer der Irrglaube, dass der Virus bei den heißen Sommer-Temperaturen absterben würde. "Das ist falsch, die Pandemie hat keine Saison", sagte der Professor und fordert erneut einige Maßnahmen.

"Der Coronavirus ist wie ein Erdbeben"

Menschenversammlungen, wie beispielsweise bei Trauerveranstaltungen oder militärischen Abschiedsfeiern, sollten wieder stärker beschränkt werden. Um überfüllte Busse oder Bahnen im Berufsverkehr zu verhindern, müssten in den Betrieben die Arbeitszeiten gestaffelt und die Arbeitsschichten angepasst werden. Darüber hinaus hält Ceyhan mehr Tests für notwendig, damit mehr Personen identifiziert werden, die zwar infiziert sind, aber keine Symptome zeigen.

Der Professor betonte, dass die Welt noch immer mit der ersten Corona-Welle kämpfe, aber eine zweite immer möglich sei. "Im September werden in der Türkei die Schulen wieder geöffnet, viele Menschen werden sich wieder in Räumen aufhalten. Wir müssen sehr aufpassen", sagte der Mediziner und fügte an: "Es gibt keine Medizin, keinen Impfstoff. Das Coronavirus ist wie ein Erdbeben. Wir wissen nie, wann der nächste Ausbruch kommt."

Offiziell fast 200.000 Corona-Fälle

Am Dienstag gab es in der Türkei offiziell 1293 Corona-Neuinfektionen. Insgesamt sind im Land derzeit 199.906 Fälle bestätigt, wovon 173.111 wieder genesen sind. 5131 Menschen sind im Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankungen bislang gestorben.

(bl)

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