Hürriyet

Christliche Gräber in Ankara von Jugendlichen beschädigt

15.2.2020 11:49 Uhr

Die christlichen Gräber auf dem Friedhof der Stadtgemeinde Ankara in Mamak Ortaköy wurden von sechs Jugendlichen zerstört. Vier der Jugendlichen konnten auf frischer Tat von Sicherheitspersonal dingfest gemacht werden. Zwei Flüchtige wurden später gefasst.

Die sechs Jugendlichen begannen gemeinsam die christlichen Gräber zu zerstören. Sicherheitsleute, die ihren Dienst auf dem gemischtkonfessionellen Friedhof in Ankara versehen, intervenierten unverzüglich. Die gestellten Täter wurden der Gendarmerie übergeben.

Zusätzliches Sicherheitspersonal angefordert

Auf dem gemischtkonfessionellen Friedhof in Ankara liegen die christlichen Gräber in einem gesonderten Bereich. Die Stadtverwaltung hat unverzüglich auf die Tat reagiert und beim Gouverneur einen Antrag auf Erhöhung des Mannstärke beim Sicherheitspersonal gestellt. Zudem solle auf dem Friedhofsgelände ein Gebäude gebaut werden, in dem die Security und mögliche Monitore zur Kameraüberwachung untergebracht sind. Die jugendlichen Täter von Ankara wurden nach ihrer Vernehmung den Eltern übergeben.

Olga Komshdogan, deren Sohn vor einem Jahr mit 17 Jahren verstarb und dessen Grab geschändet wurde, sagte: "Mein Sohn liegt auch hier. Ich habe ihn letztes Jahr verloren. Er war erst 17 Jahre alt. Die Täter waren wohl Kinder im gleichen Alter – wie können sie hier her kommen und sein Grab zerstören? Wie kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren, Gräber zu schänden? Wenn mein Sohn noch leben würde, er hätte so etwas nie getan. Sein Grab wurde übrigens schon einmal verwüstet. Damals wurde niemand gefasst. Ich möchte, dass diejenigen, die das getan haben, bestraft werden. Wir werden wegen der Tat auch Schadenersatzansprüche gegen die Täter geltend machen."

Holzkreuz in Trabzon von Grab genommen, zerbrochen und verbrannt

Auch in Trabzon wurde nach Medienberichten die Grabschändung eines christlichen Grabes bekannt. Zehra Colak aus der Gemeinde der katholischen Kirche Santa Maria starb am 17. Januar. Nach der religiösen Zeremonie in der Kirche am 18. Januar wurde sie auf dem Friedhof der Kirche im Viertel Aya Filbo (Arafilboyu) beigesetzt, das 500 Meter von der Kirche entfernt liegt. Ein Holzkreuz wurde vorübergehend am Kopfende des Grabes aufgestellt, bis der Grabstein fertiggestellt ist. Schon bei der Bestattungszeremonie soll es zu Provokationen gekommen sein. Als Veysel Colak, Ehemann der Verstorbenen, das Grab am 14. Februar besuchte, musste er schockiert feststellen, dass das Holzkreuz nicht mehr an seinem Platz war. Herr Colak untersuchte das Grab und fand dabei heraus, dass das Holzkreuz zerbrochen und verbrannt in der Nähe des Grabes lag.

Der Witwer verständigte noch vom Tatort die Polizei, die umgehend die Ermittlungen aufnahm. Kameraufnahmen und Zeugenaussagen ergaben, dass eine unbekannte Person, die ihr Gesicht bedeckte und mit einem Hund auf den Friedhof kam, das Holzkreuz entfernte. In der Nähe spielende Kinder wurden von der Person ebenso attackiert, bevor die verdächtige Person vom Tatort floh. Die katholische Kirche Santa Maria war schon zuvor mehrfach angegriffen worden und sah sich feindlichen Attacken ausgesetzt. Das Ganze gipfelte darin, dass der Priester Andrea Santoro bei einem bewaffneten Angriff am 5. Februar 2006 ermordet wurde. Vater Santoro wurde 2006 während der Messe kniend von hinten erschossen. Der Täter, der 16-jährige Oguzhan Akdin, der bei der Tatbegehung "Allahu ekber" rief und vor Gericht keinerlei Reue zeigte, wurde im Oktober 2006 zu mehr als 18 Jahren Haft verurteilt und im Nachgang zum Putschversuch im Sommer 2016 nach weniger als zehn Jahren Haftverbüßung vorzeitig entlassen.

Diese Tat und folgende Übergriffe haben in der christlichen Gemeinde für Angst gesorgt, welche durch die jüngsten Vorkommnisse wieder gegenwärtig wird.

(Hürriyet.de)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.