epa/Narong Sangnak

China vs. Nordkorea?

28.2.2019 19:01 Uhr, von Andreas Neubrand

In Vietnams Hauptstadt Hanoi fand der zweite Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Führer Nordkoreas, Kim Jong Un, statt - ohne Ergebnis. Die Denuklearisierung Nordkoreas ist somit vorerst vom Tisch. Doch diese ist für die USA auch nicht das Problem.

Doch selbst wenn die Bedrohung für die USA vorerst vom Tisch ist, für den Rest der Region ist sie akuter den je. Aber wer soll den Job machen? Das südkoreanische Militär ist nicht stark genug, das japanische Militär wäre stark genug, doch ist an Artikel 9 der Verfassung gebunden. Bleibt nur: China.

China? Jenes Land, welches Nordkorea so nahe steht wie „Zähne und Lippen“? Ja, genau dieses China. Doch warum? Zum einen sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nie so gut, wie sie oberflächlich scheinen. Schon während des Koreakrieges waren zwar chinesische Waffen in Nordkorea willkommen, aber Kim Il Sung untersagte chinesischen Militärberatern den Zugang zu wichtigen Informationen. Für Mao hingegen war Nordkorea nichts weiter als Verhandlungsmasse, während Kim Il Sung den Großen Sprung "Wahnsinn" nannte, so David Halberstam in seinem Buch „The Coldest Winter: America and the Korean War“. Kein Wunder also, dass es die UdSSR war, die Nordkorea bis 1991 unterstützte.

Aber braucht China nicht das Land als Puffer zwischen seiner Grenze und Südkorea mit all den tausenden amerikanischen GIs? Dieses Argument war vielleicht noch vor zwanzig Jahren richtig, als China noch ein rückständiger Agrarstaat war. Heute hingegen ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Damals war das Reich der Mitte verschlossen, heute will das Land mit seiner Belt and Road-Initiative Asien vereinen. Dafür sind die Uhren in Pjöngjang seit Kim Il Sung stehengeblieben. Kein Wunder also, dass sich die beiden Länder immer weiter auseinandergelebt haben.

Gute Gründe für China zu intervenieren

Für China gibt es weitere gute Gründe, sich dieses Mal die Hände schmutzig zu machen. Nichts ist für die Ewigkeit. Auch nicht die Kim-Dynastie – selbst wenn viele Nordkoreaner das anders sehen werden. Doch stellen wir uns vor, Kim Jong Un rutscht in der Badewanne aus und bricht sich das Genick. Was würde passieren? Von einem internen Machtkampf, über eine mehr oder weniger friedliche Auflösung bis hin zu einem blutigen Bürgerkrieg – alles ist möglich. Keines der Szenarien dürfte Peking erfreuen. Doch macht China den Job selber, hat es bessere Kontrolle über das nordkoreanische Militär und die zu erwartende Flüchtlingsströme. Und last, but not least: Die Chinesen kennen die internen Machtstrukturen in Pjöngjang besser als die Trump-Regierung. Dies würde den Chinesen helfen auf den richtigen Mann innerhalb der Partei der Arbeit Koreas zu setzen, sollte man befinden, dass es vorerst nicht zu einer Wiedervereinigung mit dem Süden kommen sollte. Dies wäre ein weiterer Punkt: Eine Wiedervereinigung mit Südkorea könnte nur unter chinesischen Bedingungen stattfinden.

Auch auf dem diplomatischen Parkett wäre der Gewinn für Peking groß. Erstens würde man zeigen, dass man bereit ist, international Verantwortung zu übernehmen. Zweitens, China hätte eine der schlimmsten Diktaturen ausgeschaltet. Und drittens, wäre dies der Beginn einer Pax Sinica, also der chinesischen Vorherrschaft im asiatischen Raum.

Chinesisches Militär mit wenig praktischer Erfahrung

Außerdem wäre es militärisch nicht unlogisch: Die meisten nordkoreanischen Soldaten stehen entlang der Grenze zu Südkorea am 38. Breitengrad. Um sowohl das nordkoreanische Regime, als auch das Atomprogramm zu schützen sind beide im Hinterland gelegen. Für das chinesische Militär also schneller und einfacher zu erreichen, ohne in große Gefechte verwickelt zu werden. Vergleichsweise wenig Soldaten stehen an der Grenze zu China. Anders das chinesische Militär. Im Norden des Landes sind die 78. und 80. Armee stationiert, mit jeweils über 30.000 Soldaten. Dazu kommen drei Air Brigades und mehrere atomgetriebene U-Boote, so Peter Wood von der Jamestown University.

Das letzte Mal, als das chinesische Militär aktiv war, war 1989, als Soldaten auf dem Platz des himmlischen Friedens auf unbewaffnete Studenten schossen. Ein bisschen wenig praktische Erfahrung, sollte man sich eines Tages mit dem amerikanischen Militär anlegen wollen. Dem chinesischen Militär würde also etwas Praxis gut tun. Doch hier liegt auch eines der Hauptprobleme für China. Was, wenn sich die Soldaten als kampfuntauglich herausstellen oder die Waffen nicht funktionieren? Oder man wider aller Erwartungen mit hohen Verlusten zu kämpfen hätte. Es wäre ein PR-Desaster für das Land.

Natürlich steht ein Krieg nicht bevor, weder vom Norden noch vom Süden aus rollen Panzer auf Pjöngjang zu. Doch als guter Stratege der er ist, sollte Kim Jong Un nicht nur den Süden genau im Blick haben, sondern auch Augen im Hinterkopf haben.

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