Caroline Link: Flüchtlinge nicht nur in Zahlen sehen

26.12.2019 0:38 Uhr

Oscarpreisträgerin Caroline Link ("Der Junge muss an die frische Luft") wünscht sich beim Umgang mit Flüchtlingen mehr Aufmerksamkeit für die persönlichen Schicksale Einzelner.

"Das klingt banal, aber man muss sich immer wieder klarmachen, dass das alles Menschen mit einer individuellen Geschichte sind. Menschen, die lieben, streiten, lachen, weinen und vielleicht sogar ein Lieblingskuscheltier haben", sagte die Münchnerin der Deutschen Presse-Agentur zum Kinostart ihres neuen Films "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" am 25. Dezember nach dem gleichnamigen Jugendbuch von Judith Kerr.

"Wir sollten nicht immer nur von Zahlen reden, dann werden Menschen zu einer anonyme Masse", meinte Link. Gerade Kinder und Jugendliche könnten viel erzählen über das Leben in der Heimat, die sie verlassen mussten. "Wie sah dein Schulweg in Syrien aus? Was hast du gesehen, wenn du in deinem Zimmer aus dem Fenster geschaut hast?"

"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl"

"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" handelt von einem solchen Schicksal. Die im Mai mit 95 Jahren verstorbene Autorin Judith Kerr hatte in dem Buch ihre eigene Fluchtgeschichte festgehalten. Riva Krymalowski spielt die neunjährige Anna, die 1933 mit ihrer jüdischen Familie überstürzt vor den Nationalsozialisten aus Berlin fliehen muss.

Anna, ihr Bruder Max (Marinus Hohmann) und die Eltern (Oliver Masucci und Carla Juri) kommen über die Schweiz und Frankreich nach London. Eine Umstellung für die Familie, die in Berlin ein gutes Leben hatte und nun im Exil ein ärmliches Dasein fristet. Als Flüchtlinge und Juden werden sie zudem misstrauisch und oft ablehnend behandelt. Eine schmerzhafte Erfahrung, ebenso wie die Erkenntnis, dass an eine Rückkehr nach Berlin nicht mehr zu denken ist.

Trotzdem will Link das nicht mit Erfahrungen vieler Flüchtlinge heute vergleichen. Judith Kerr und ihre Familie hätten 1933 noch eine relativ komfortable Flucht gehabt. Im Film reisen sie mit Bahn und Schiff durch Europa. "Ich möchte das nicht vergleichen mit dem, was Menschen erleben müssen, die im Schlauchboot übers Mittelmeer kommen, die Todesangst erleben, die kein Dach über dem Kopf haben und nichts zu essen. Das ist ein existenzieller Überlebenskampf", sagte Link. Schmerzhaft sei der Verlust der Heimat aber auch im Film für Anna und ihre Familie.

(dpa-starline)

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