imago/xinhua

Carlos Ghosn könnte auf Kaution freikommen

5.3.2019 7:34 Uhr

Nach mehr als drei Monaten in japanischer U-Haft hat das Bezirksgericht in Tokio am Dienstag die Freilassung des Ex-Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn gegen Kaution entschieden. Doch Japans Staatsanwaltschaft legte Widerspruch gegen dessen Freilassung ein.

Die Kautionssumme beträgt eine Milliarde Yen (umgerechnet 7,9 Mio. Euro). Ghosn akzeptierte die Bedingung, wonach am Hauseingang eine Überwachungskamera installiert werden muss.

Der 64-Jährige, der Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige internationale Autoallianz geschmiedet hatte, war am 19. November wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen in Tokio festgenommen und später angeklagt worden. Zudem soll er laut der japanischen Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Ghosn hat vor Gericht seine Unschuld beteuert und vermutet einen Komplott gegen ihn.

Neuer Anwalt, neues Glück

Nach wiederholt gescheiterten Anträgen auf Freilassung gegen Kaution hatte Ghosn kürzlich seinen japanischen Anwalt ausgewechselt. Daraufhin übernahm der Jurist Junichiro Hironaka seine Verteidigung. Dieser hat schon mehrmals prominente Angeklagte vertreten und häufig Freisprüche erreicht.

Die Staatsanwaltschaft kann gegen die Entscheidung des Gerichts vom Dienstag, Hironakas Antrag auf Freilassung gegen Kaution stattzugeben, Einspruch erheben. Sollte sie dies tun, damit jedoch scheitern, käme Ghosn erstmals seit seiner Festnahme auf freien Fuß. Einen Termin für einen Prozess gegen ihn in Japan gibt es noch nicht.

Was passiert mit dem Nissan-Renault-Bündnis?

Der einst gefeierte Manager ist Architekt der Autoallianz zwischen Renault und den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi. Die Japaner hatten ihn kurz nach der Verhaftung gefeuert. Bei Renault trat Ghosn später zurück. Auch der französische Konzern leitete Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten ein und will diese bis zum Frühjahr abschließen.

Ghosns Aufgaben bei Renault wurden aufgespalten. Jean-Dominique Senard übernahm den Präsidentenposten und ist auch für die von Ghosn entworfene Allianz mit Nissan verantwortlich. Wie das Auto-Bündnis mit dem japanischen Hersteller Nissan weitergeführt wird bleibt abzuwarten. In der Allianz mit Renault sei es wichtig, dass jeder Partner Eigenständigkeit besitze, sagte der neue Nissan-Chef Hiroto Saikawa jüngst. Eine übermäßige Machtanhäufung wie unter Ghosn müsse künftig vermieden werden.

Freilassung wird sich wohl verzögern

Japans Staatsanwaltschaft hat Widerspruch gegen die Freilassung des seit November inhaftierten Automanagers Carlos Ghosn eingelegt. Das zuständige Gericht in Tokio teilte am Dienstag mit, die Staatsanwälte hätten Beschwerde gegen eine Freilassung auf Kaution eingelegt. Das Gericht hatte die Kaution für den früheren Nissan-Chef zuvor auf eine Milliarde Yen (knapp acht Millionen Euro) festgelegt und zugleich angeordnet, Ghosn müsse in Japan bleiben. Die Freilassung dürfte sich nun aber verzögern.

(be/dpa)