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Bundesweit wurden 2017 rund 2,1 Milliarden Überstunden gefahren

30.11.2018 12:03 Uhr, von Chris Ehrhardt

Deutschland war nach einem Bericht der "Rheinischen Post" 2017 so geschäftig wie lange nicht mehr – zumindest in Sachen Mehrarbeit. So fielen im letzten Jahr wohl 2,127 Milliarden Überstunden an, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion meldete. Bezahlt wurden jedoch nur 1,05 Milliarden Stunden – eine ziemliche Diskrepanz zu den tatsächlich abgeleisteten Stunden an Mehrarbeit.

Dieser Wert von 2,1 Milliarden Überstunden stellt ein neues 10-Jahres-Hoch dar. Ähnlich viel Mehrarbeit wurde zuletzt 2007 geleistet. Die aktuellen Zahlen bedeuten, dass die Zahl der Überstunden im Vergleich zum Jahr 2016 vergangenes Jahr um circa elf Prozent gestiegen ist.

Wird 2018 ein neues Rekordjahr bei den Überstunden?

Wie die Anfrage der Linksfraktion ans Tageslicht brachte, hat jeder angestellt Beschäftigte im Jahr 2017 circa 27 bezahlte und unbezahlte Überstunden abgeleistet. Im Ergebnis heißt das, pro Woche sind mehr als 0,6 Überstunden die Woche angefallen. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2018 – Q1 und Q2 Vergleichszahlen – lassen den Rückschluss zu, dass dieses 10-Jahres-Hoch im Jahr 2018 erneut geknackt werden könnte. So waren in der ersten Hälfte des aktuellen Jahres wohl bereits mehr als 1,1 Milliarden Überstunden aufgelaufen.

Jessica Tatti, Arbeitsmarktpolitikerin der Linksfraktion, sieht anlässlich der enorm hohen Zahl politischen Handlungsbedarf. Sie verortet in den unbezahlten Überstunden ein krasses Missverhältnis und konstatiert, dass sich die Arbeitgeber auf dem Rücken der Arbeitnehmer bereichern würden. Für die Unternehmen würden sich die unbezahlten Mehrstunden nachhaltig auszahlen und für ein Einsparungspotenzial von mehr als 36 Milliarden Euro sorgen.

DGB verortet "gesundheitliches Risiko" durch Mehrarbeit

Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund DGB hat die Überstundenzahl des Jahres 2017 ein "unerträgliches Maß" erreicht. Hierdurch würde für die Arbeitnehmer ein "hohes gesundheitliches Risiko entstehen", wie DGB-Chef Reiner Hoffmann sagt. Doch der weitaus größere Skandal sei, so Hoffmann, dass von den tatsächlich geleisteten Stunden an Mehrarbeit nur rund 50 Prozent auch von den Unternehmen bezahlt würden.

Ob und wie sich die Politik einschalten wird und ob dadurch auch zeitnah ein Mehr an Bezahlung bei geleisteten Überstunden eintritt, bleibt abzuwarten.

(dpa/Rheinische Post)