Brexit-Notauftrag ein "neues Debakel"

31.12.2018 16:34 Uhr

Die Not-Pläne der britischen Regierung, mit denen die Verbindungen über den Ärmelkanal nach dem Brexit gesichert werden sollten, drohen zu einem neuen Debakel zu werden. Denn wie am Montag bekannt wurde, hatte die Reederei, die von der Regierung beauftragt wurde, noch nie ein Schiff im Wasser. Und auch der Hafen ist in seiner jetzigen Form für die Pläne der Regierung unbrauchbar.

Die Opposition sprach von einem "neuen Debakel", das Ministerium verteidigte die Auftragsvergabe. Die Regierung hatte für umgerechnet rund 120 Millionen Euro Fähren gebucht, um im Fall eines ungeordneten Brexit das Chaos am Hafen von Dover zu begrenzen. Mit den zusätzlichen Fährverbindungen im Ärmelkanal sollten Lieferengpässe für "wichtige Waren" vermieden werden, hieß es am Wochenende aus Regierungskreisen. Die Aufträge gingen an drei Reedereien aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien.

Ramsgate zu eng für moderne Handelsschiffe

Wie die BBC am Montag berichtete, erhielt die britische Reederei Seaborne Freight einen Auftrag von umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro, obwohl sie noch nie Frachtschiffe betrieben hat. Zudem sei die Hafenanlage im südostenglischen Ramsgate, von wo aus die Reederei Fährverbindungen nach Belgien betreiben will, zu eng für die meisten modernen Handelsschiffe. Der Hafen sei seit 2013 nicht mehr kommerziell betrieben worden."Nichts bringt den Brexit besser auf den Punkt als dieses neue Debakel", kritisierte der Labour-Abgeordnete Neil Coyle. Der Kommunalpolitiker Paul Messenger fragte: "Warum wählen wir ein Unternehmen aus, das in seiner ganzen Geschichte noch nie einen einzigen Lkw transportiert hat?"

Seaborne ein "neuer Anbieter", der die Leistungen erbringen könne

Das Verkehrsministerium verteidigte die Entscheidung. Es sei bekannt gewesen, dass Seaborne ein "neuer Anbieter" sei. Das Unternehmen werde die vereinbarten Leistungen erbringen. Seaborne kündigte an, den Hafen Ramsgate bis zum EU-Austritt Ende März betriebsbereit zu machen.Die Aufträge des Verkehrsministeriums an die drei Reedereien sollen es ermöglichen, knapp 4000 Lkw pro Woche vom Festland aus zu britischen Häfen zu bringen. Damit soll vor allem der stark frequentierte Hafen Dover entlastet werden. Die britischen Behörden befürchten bei der Wiedereinführung von Grenzkontrollen infolge des Brexit eine Überlastung von Dover und Riesenstaus von Lastwagen in Hafennähe.

(afp-eins)