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Brasilien: Zahl der Toten bei Dammbruch auf 84 gestiegen

30.1.2019 15:36 Uhr

Die Suche nach Überlebenden der Dammbruch-Katastrophe in Brasilien kommt nur langsam voran. Nach der Dammbruch-Katastrophe in Brasilien kommt die Suche nach den mutmaßlich hunderten Opfern nur mühsam voran. Bis Dienstag erhöhte sich die Zahl der Toten auf 84. 276 Menschen wurden weiterhin vermisst.

42 Leichen seien inzwischen identifiziert worden, teilte der Zivilschutz im Bundesstaat Minas Gerais mit. Hoffnungen, Überlebende zu finden, haben die Bergungskräfte kaum noch.

Das Unglück hatte sich am Freitag an einer Eisenerzmine in der Gemeinde Brumadinho ereignet. Nach einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken für Bergbauabfälle ergossen sich Millionen Tonnen Schlamm über die Umgebung des Bergwerks. Die Schlammmassen begruben Häuser, Autos und Straßen unter sich sowie die Kantine des Betreiberunternehmens Vale, in der gerade viele Arbeiter zu Mittag aßen.

Suche nach Schuldigen

Nach dem ersten Entsetzen über das schwere Unglück beginnt inzwischen die Suche nach den Verantwortlichen. Die Staatsanwaltschaft ließ drei Ingenieure des brasilianischen Betreibers Vale sowie zwei örtliche Mitarbeiter des TÜV Süd festnehmen, die für die letzte Sicherheitsüberprüfung des Damms zuständig waren. Ihre Festnahme sei Teil der Ermittlungen zu einer "möglichen kriminellen Verantwortung" von Vale, hieß es.

Drei US-Anwaltskanzleien unternahmen unterdessen erste Schritte, um eine Gemeinschaftsklage gegen den weltgrößten Eisenerzproduzenten einzuleiten. Die brasilianischen Medien spekulierten zudem bereits über den Rücktritt von Vorstand und Spitzenmanager von Vale.

Das Unternehmen kündigte an, die Eisenerz-Produktion an zehn brasilianischen Standorten zu stoppen, um ähnliche Dämme wie in Brumadinho zu demontieren. Nach Angaben von Vale-Chef Fabio Schvartsman wird die Jahresproduktion deshalb um 40 Millionen Tonnen - zehn Prozent - sinken. An der Börse von Singapur stieg der Preis für Mineralerz daraufhin am Mittwoch auf 87,50 Dollar pro Tonne, das ist das höchste Niveau seit zwei Jahren.

Schwerste Umweltkatastrophe vor drei Jahren

Eine Tochterfirma von Vale und dem australisch-britischen Konzern BHP hatte vor drei Jahren eine der schwersten Umweltkatastrophen Brasiliens ausgelöst. Damals war ein Rückhaltebecken des Betreibers Samarco in der Nähe von Mariana geborsten, eine giftige Schlammlawine ergoss sich in die Umwelt, 19 Menschen kamen ums Leben. Bis heute hat sich der Fluss Rio Doce von der Katastrophe nicht erholt.

Das Rückhaltebecken von Brumadinho war bereits stillgelegt und für den Abriss vorgesehen. Dennoch ist unklar, wie giftig sein Klärschlamm ist. Ureinwohner in der Nähe klagten bereits über erstes Fischsterben, nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation WWF ist schon jetzt ein "Waldgebiet von der Größe von 125 Fußballfeldern" verloren. Die Behörden befürchten zudem, dass der Schlamm spätestens Mitte Februar die Wasserkraftwerke in der Region erreichen könnte.

(an/afp)