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Brüssel sieht Rückgang fauler Bank-Kredite

28.11.2018 16:46 Uhr

Angesichts des Rückgangs von Problemkrediten in Europas Bankbilanzen fordert die EU-Kommission rasche Fortschritte bei der Vertiefung der Eurozone. Der Anteil "fauler" Kredite sei zum Ende des zweiten Quartals 2018 auf 3,4 Prozent gesunken, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Er nähere sich damit dem Niveau vor der schweren Finanzkrise vor rund zehn Jahren an. Im zweiten Quartal 2017 betrug die Gesamtquote von Krediten, deren Rückzahlung gefährdet ist, noch 4,6 Prozent.

Als notleidend gilt ein Kredit, wenn anfallende Zahlungen nicht mehr geleistet werden können. Während der Finanzkrise in den Jahren nach 2008 waren viele Kreditnehmer nicht mehr in der Lage, ihre Darlehen zurückzuzahlen, etwa wegen des Verlusts ihres Arbeitsplatzes oder wegen Unternehmensinsolvenzen. In der Folge konnten Geldhäuser nicht mehr genügend neue Kredite an Firmen oder Privatleute vergeben.

Zwischen den einzelnen Staaten gibt es allerdings nach wie vor große Unterschiede. Am stärksten belastet sind Banken in Griechenland mit rund 45 Prozent "fauler" Kredite. Am besten sieht es in Luxemburg mit 0,6 Prozent aus. Im hoch verschuldeten Italien, das mit der EU-Kommission wegen überhöhter Ausgaben für 2019 im Clinch liegt, sank die Quote auf 10 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 12,2 Prozent. EU-weit beliefen sich die "faulen" Kredite auf 820 Milliarden Euro - gegenüber 950 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Die EU-Kommission führte nun in einem Arbeitspapier mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zudem an, dass zum schnelleren Abbau "fauler" Kredite eine zusätzliche Handelsplattform geschaffen werden könnte. Demnach ist der Markt für Problemkredite nach wie vor unterentwickelt. Banken und interessierte Investoren könnten auf dem Portal einfacher mit den fraglichen Krediten handeln.

Angesichts der generellen Fortschritte forderte EU-Währungskommissar Valdis Dombrovskis die EU-Staaten auf, beim Gipfel im Dezember konkrete Schritte hin zu mehr Risikoteilung im Finanzsektor zu beschließen. Dies mache Europa als Ganzes widerstandsfähiger gegen künftige Krisen.

Die EU-Staaten ringen derzeit um eine ganze Reihe von Euro-Reformen. Unter anderem soll der Euro-Rettungsschirm ESM, der bislang Kredite gegen Auflagen an pleitebedrohte Staaten vergeben konnte, auch bei Banken zum Einsatz kommen.

Besonders strittig ist außerdem die Vollendung der sogenannten Bankenunion. Im Zuge der Finanzkrise wurden in Europa eine einheitliche Bankenaufsicht bei der EZB sowie ein gemeinsamer Bankenabwicklungsfond ins Leben gerufen. Bei der geplanten gemeinsamen Sicherung von Sparguthaben gibt es jedoch seit Jahren Streit. Geldinstitute in Deutschland fürchten etwa, im Zweifelsfall für Banken in anderen Ländern haften zu müssen.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) kritisierte die Forderung der EU-Kommission. "Die bisherigen Bemühungen zur Risikoreduzierung reichen bei weitem nicht aus, um über nächste Schritte bei der Einlagensicherung zu sprechen", sagte Vorstandsmitglied Karl-Peter Schackmann-Fallis. "Erforderlich ist eine nachhaltige Risikoreduzierung bei notleidenden Krediten über Konjunkturzyklen hinweg sowie in Bankenbilanzen insgesamt."

(be/dpa)