Blutwurst-Streit: CDU-Politiker muss nach massiven Beleidigungen Partei verlassen

5.12.2018 9:38 Uhr

Die Islamkonferenz stand diesmal nicht etwa aufgrund ihrer Themen, sondern wegen eines Vorfalls am Mittagstisch im Kreuzfeuer. Die Debatte über die dort unter anderem gereichte Blutwurst erhitzte die Gemüter. So sehr, dass es zu einem handfesten Streit zwischen zwei CDU-Parteikollegen kam – der damit endete, dass einer nun die Partei verlassen musste.

Schweinefleisch auf der Islamkonferenz

Stein des Anstoßes war die auf der Islamkonferenz zum Mittag gereichte Blutwurst. Die war zwar nicht das einzige Gericht, sondern nur eines von vielen, aber trotzdem löste es eine große Debatte aus. Schließlich sollen Muslime kein Schweinefleisch essen. Die Frage stand im Raum, ob das Reichen von Schweinefleisch ein Zeichen der Missachtung der Gepflogenheiten von Muslimen sei.

Zoff zwischen Parteikollegen

Die Diskussionen gingen auch nach der Konferenz weiter, vor allem auf den Sozialen Medien. Dort kritisierte der kurdischstämmige Hamburger CDU-Politiker Ali Ertan Toprak die Debatte und schrieb:

"Wer sich über Blutwurst auf der Islamkonferenz aufregt, aber darüber schweigt, dass Menschen wegen ihrer Kritik an Islamismus in Deutschland unter Polizeischutz leben müssen, der ist nicht nur verlogen, sondern lehnt in Wirklichkeit alles ab, was dieses Land ausmacht."

Darauf reagierte sein Kollege Mehmet Ünal mit massiven Beleidigungen und nennt Toprak unter anderem eine "islamophobe Ratte" und rät ihm "Friss weiter Schwein".

Bremer CDU distanziert sich

Die Bremer CDU veröffentlichte zwei Tage nach dem Vorfall ebenfalls bei Twitter eine Erklärung, in der sie diese Äußerungen scharf kritisierte und kundtat, dass sie diese in "keiner Weise billige". Weiter hieß es: "Nach mehrmaligen Aufforderungen, seine Aussagen zurückzunehmen, wurde ihm (Ünal) nahegelegt, aus der Partei auszutreten."

Und genau dieser Aufforderung ist Mehmet Ünal nun nachgekommen und hat seinen Parteiaustritt erklärt. Ob der Zoff auf dem Nachrichtenkurzdienst Twitter weitergehen wird, bleibt vorerst offen.

Bundesinnenministerium äußert Bedauern, aber verteidigt die Speisenauswahl

Das Bundesinnenministerium hat seine Speisenauswahl bei der Islamkonferenz verteidigt, zugleich aber sein Bedauern ausgedrückt, sollten sich einige Teilnehmer gekränkt gefühlt haben. Die Speisenauswahl der Abendveranstaltung sei "mit Blick auf die religiös-plurale Zusammensetzung" der Veranstaltung erfolgt, erklärte ein Sprecher. "Sollten sich einzelne Personen dennoch in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir dies", hieß es zu Berichten, wonach bei der Islamkonferenz in dieser Woche auch Schweinefleisch zu haben war.

Es sei auf ein ausgewogenes Angebot geachtet worden, erklärte das Ministerium weiter. So habe es vegetarische Speisen und Speisen, die halal sind, ebenso gegeben wie Gerichte mit Fleisch und Fisch. Das Buffet sei "deutlich ausgezeichnet" und das Personal instruiert gewesen, um zu den einzelnen Speisen auskunftsfähig zu sein, erklärte das Ministerium von Innenminister Horst Seehofer (CSU).

(be/afp)