epa/Amel Pain

Blutbad in Khartum

4.6.2019 7:23 Uhr

Im Sudan ist es zu einem Blutbad gekommen, als Sicherheitskräfte eine Sitzblockade friedlicher Demonstranten auflösen wollten. Mindestens 35 Menschen wurden erschossen, Hunderte seien verletzt worden. Währenddessen kündigte die Militärführung Neuwahlen binnen einiger Monate.

Diese sollten von regionalen sowie internationalen Beobachtern durchgeführt und überwacht werden, sagte der Anführer des militärischen Übergangsrates, Abdel Fattah Burhan, nach Angaben der Nachrichtenseite "Sudan Tribune". In seiner Rede am frühen Dienstag sprach Burhan von Wahlen binnen neun Monaten, in einer schriftlichen Fassung von sieben Monaten, hieß es weiter. Darüber hinaus habe er alle bisher getroffenen Vereinbarungen mit der Opposition über eine Übergangsregierung aufgekündigt, hieß es weiter.

Nach der gewaltsamen Auflösung eines Protestlagers am Montag stieg die Zahl der Toten auf mindestens 35, wie ein Ärzteverband mitteilte. Hunderte seien verletzt worden, viele von ihnen befänden sich in kritischem Zustand, teilte der Verband auf Facebook mit. Die genaue Anzahl der Opfer sei unklar, da bewaffnete Sicherheitskräfte Krankenhäuser umstellten und Ärzte festnähmen, hieß es weiter.

"Blutiges Massaker"

Burhan kündigte in seiner Rede eine Untersuchung der Vorfälle an, wie "Sudan Tribune" berichtete. Das Gewerkschaftsbündnis SPA, die Organisatoren der anhaltenden Massenproteste im Sudan, hatte von einem "blutigen Massaker" an Demonstranten gesprochen. Es sei versucht worden, mit Gewalt die seit Wochen andauernde Sitzblockade im Zentrum der Hauptstadt Khartum aufzulösen, hatte das Gewerkschaftsbündnis getwittert.

Nach drei Jahrzehnten an der Macht war Sudans Präsident Omar al-Baschir im April von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Verhandlungen waren kürzlich zusammengebrochen, da sich beide Seiten nicht darauf einigen konnten, wer die Regierung leiten sollte. Die Sitzblockade in Khartum, die maßgeblich zum Sturz Al-Baschirs beigetragen hatte, wurde auch nach dem Putsch weiter fortgeführt.

Der große Flächenstaat im Nordosten Afrikas gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt. Der Sudan mit seinen 41 Millionen Einwohnern steckt in einer schweren Wirtschaftskrise.

(be/dpa)