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Bloomberg: Macrons Rhetorik ist wirkungslos

12.9.2020 10:10 Uhr

Der Bloomberg-Kolumnist und Experte für den Mittleren Osten und Afrika, Bobby Ghosh, hat sich mit der Rolle des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im östlichen Mittelmeer befasst und stellt fest, dass seine Rhetorik weder produktiv noch nützlich ist.

Nachdem Macron den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf dem Korsika-Gipfel der MED7 – Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Malta und Zypern - am Donnerstag scharf attackierte, sieht Gosh Marcons "Moment der Wahrheit" nahen, an dem Macron seinen Worten Taten folgen lassen müsste.

Türkei blieb unbeeindruckt

Erneut seien "rote Linien" gefordert worden, doch wie Ghosh erinnert, habe Macron bereits vor einigen Wochen gesagt, diese "roten Linien" bereits gezogen zu haben und dass die Türkei Taten, nicht Worte respektieren würde. Aber seine Taten wie an militärischen Übungen in den "turbulenten Gewässern" teilzunehmen oder Gipfel abzuhalten, hätten in Ankara nur für noch mehr Geringschätzung gesorgt.

Die Türkei sei den Attacken aus Frankreich gegenüber keine Antwort schuldig geblieben. Das Verhalten des französischen Präsidenten würde "alte kolonialistische Reflexe" aufweisen. Jetzt, so Ghosh, müsse Macron "aufwarten oder die Klappe halten".

Keine militärische Unterstützung zu erwarten

Von anderen NATO-Mitgliedern hat Frankreich wohl keine militärische Unterstützung gegen ein weiteres NATO-Mitglied wie die Türkei zu erwarten. Vor allem nicht, wenn der türkische Präsident Erdogan und der US-Präsident Donald Trump "gute Beziehungen" pflegen.

"Und Deutschland?", fragt Ghosh. Deutschland halte momentan die EU-Präsidentschaft und die Bundeskanzlerin Angela Merkel arbeite aktiv an einer friedlichen Lösung der Konflikte zwischen der Türkei und Griechenland. Auch wenn die EU mit Sanktionen gedroht habe, so sei man doch zurückhaltend, sie auch tatsächlich zu verhängen. Und Außenminister Heiko Maas habe Macron unmissverständlich deutlich gemacht, dass militärische Übungen derzeit nicht hilfreich seien. Frankreich würde also alleine dastehen, wenn es den Disput mit der Türkei auf die Spitze treiben wollen würde.

Andere Baustellen

Auf der anderen Seite, so Bloomberg-Schreiber Ghosh, habe Macron eigentlich genug andere Baustellen: Die steigenden Corona-Neuinfektionen (fast 10.000 am Donnerstag), sein umstrittener "Frankreich-Relaunch", um die Gelbwesten zu besänftigen, das Versprechen, die Libanesen von ihren Politikern zu befreien, die Terrorlage in Mali und seine andere Baustelle mit der Türkei, Libyen. Unter diesen Umständen, schließt Ghosh ab, "wäre der Präsident weise, sich sein rhetorisches Feuer im Konflikt um das östliche Mittelmeer zu sparen und das Reden der Kanzlerin zu überlassen."

(be)

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