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Blick in die Gedankenwelt eines Rechtsterroristen

20.2.2020 15:49 Uhr

Ein brutaler Terroranschlag raubte Deutschland am Mittwochabend den Schlaf. Tobias R., 43 Jahre alt, studierter BWL'er, verschaffte sich Zugang zu einer Shisha-Bar in Hanau (Hessen) und erschoss dort ohne Vorwarnung neun Menschen. Später wurde er an seiner Wohnanschrift gefunden. Dort hatte er seine 72-jährige Mutter getötet und sich selbst gerichtet. Am Tatort hinterließ er per Graffito seine Webadresse, auf welcher er – in der Manier des Norwegers Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 in Oslo sowie auf der Insel Utøya 77 Menschen tötete – ein "Manifest" hinterließ, welches er "Skript" nannte. Darin erklärt er, was in seiner "Gedankenwelt" vorging. Das haben wir uns angeschaut.

Das "Manifest" besteht aus 24 Seiten oder 8385 Wörtern oder 48.755 Zeichen. Es ist angefüllt mit paranoiden Anwandlungen, Verschwörungstheorien und knallhartem Rassismus sowie Fremdenfeindlichkeit und Ideen, die eigentlich nur Rechtsextremisten haben können. Der Autor versteigt sich in einen Wahn, dass er von Geheimdiensten überwacht worden sei, dass man ihm seine "Gedanken und Ideen" stehlen würde, indem man sich in sein "Hirn einklinkt". Ferner spricht er von "fremden Mächten" und "fremden Eliten" und von "der jüdischen Weltverschwörung". Doch was äußert er in fremdenfeindlicher und rassistischer Hinsicht?

Im Wahn versunken

Tobias R. beschreibt sehr detailliert ein Gespräch, das er als "Initialzündung" ansieht. Er datiert es auf das Jahr 1999, als er eine Banklehre gemacht haben soll und sich mit einem "Kollegen in Frankfurt austauschte". R. formuliert das alles in seinem wirren Manifest, von dem wir rund ein Zehntel nachfolgend im O-Ton veröffentlichen - und hierzu geben wir eine "Triggerwarnung", denn der Verfasser äußert sich sehr deutlich rassistisch und fremdenfeindlich:

Zitat:

"... Ein Thema unseres Gespräches war unter anderem die Kriminalität, oder allgemeiner ausgedrückt, das schlechte Verhalten bestimmter Volksgruppen, nämlich von Türken, Marokkanern, Libanesen, Kurden, etc. Über dieses Thema gab es bereits vorher schon eine Art Konsens zwischen uns beiden.

Wir beide hatten zum damaligen Zeitpunkt ähnliche persönliche Erfahrungen gemacht, woraus eine Abneigung gegen diese Volksgruppen resultierte und befanden uns diesbezüglich somit auf gleicher Wellenlänge.

Diese persönlichen Erfahrungen, kann ich aus heutiger Sicht mit Sicherheit als „harmlos“ in Anführungsstrichen bezeichnen, wie z.B. absichtlich provozierte Streitereien auf dem Nachhauseweg von der Schule oder dumme Anmachen in der Disko. Harmlos deshalb, weil kein persönlicher Schaden in Form von Verletzungen oder das Abhandenkommen von Wertgegenständen das Ergebnis war. Allerdings vernahm man jedoch von Freunden aus der Schule oder dem sonstigen Bekanntenkreis auch andere Ausgänge oder Varianten, wie tatsächliche körperliche Angriffe bis hin zu Messerattacken und dementsprechende Verletzungen. Aus Zeitungen beispielsweise konnte man letztlich noch das Ende des Spektrums vernehmen, wie Schlägereien von 5 Ausländern gegen einen Deutschen und daraus resultierende schwerste Verletzungen oder gar Tote.

Während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann durfte ich zudem einen Banküberfall am eigenen Leib miterleben und in der Polizeidienststelle als Zeuge Karteikarten von mehreren hundert potentiellen Verdächtigen durchsehen, wobei diese Personen zu ca. 90 % aus Nicht-Deutschen bestand. Diese Nicht-Deutschen waren wiederum hauptsächlich Südländer, sprich Türken und Nordafrikaner.

Da mit „Deutschen“ vergleichbare Erfahrungen nicht gemacht wurden, hatte ich bereits zu diesem Zeitpunkt für mich persönlich eine Schlussfolgerung aus all diesen Erlebnissen und Eindrücken getroffen. Dieser Erkenntnisgewinn umfasste mehrere Schritte:

Zunächst stellte sich mir die grundsätzliche Frage, wie es sein kann, dass solche Volksgruppen überhaupt in meinem Land sind?

Diese Menschen sind äußerlich instinktiv abzulehnen und haben sich zudem in ihrer Historie nicht als leistungsfähig erwiesen.

Umgekehrt lernte ich mein eigenes Volk kennen, als ein Land, aus dem das Beste und Schönste entsteht und herauswächst, was diese Welt zu bieten hat. Es ist mir an dieser Stelle nicht möglich alle Errungenschaften auf sämtlichen Wissenschaftsgebieten aufzuzählen, aber die Fakten sprechen für sich. In meinen Augen passte hier somit irgendetwas nicht zusammen.

Einerseits ist mein Volk mit dafür verantwortlich, dass wir die Menschheit als Ganzes emporgehoben haben, andererseits wiederrum haben offenbar gewisse Personen aus meinem eigenen Land mit dazu beigetragen, dass wir nun Volksgruppen, Rassen oder Kulturen in unserer Mitte haben, die in jeglicher Hinsicht destruktiv sind.

Ich kam zur ersten Schlussfolgerung, dass, wenn ich auf diese Welt komme, diese Menschen gar nicht da sein dürfen. Es ist absurd.

Da aber diese Völker besonders zahlreich auf diesem Planten vertreten sind und offensichtlich nicht bereit sind auf eine weitere Vermehrung freiwillig zu verzichten bzw. im Gegenteil sich erstaunlicherweise sogar besonders toll finden, obwohl sie es nicht sind, muss also ein Problem gelöst werden.

Meine weitere Schlussfolgerung war:

Daher kann eine Anstrengung, mit dem Ziel eine komplette Ausweisung dieser Menschen aus unserem Land zu erreichen, keine Lösung mehr sein, da die Existenz gewisser Volksgruppen an sich ein grundsätzlicher Fehler ist und das Problem nur auf zukünftige Generationen verlagert wird. Es kann nicht sein, dass ich mich mit einer solchen Problematik überhaupt beschäftigen muss, und auch alle zukünftigen Generationen sollten sich mit einem solchen Problem erst gar nicht beschäftigen müssen.

Daher sagte ich, dass folgende Völker komplett vernichtet werden müssen: Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Syrien, Jordanien, Libanon, die komplette saudische Halbinsel, die Türkei, Irak, Iran, Kasachstan, Turkmekistan, Usbekistan, Indien, Pakistan, Afghanistan, Bangladesh, Vietnam, Laos, Kambodscha bis hin zu den Philippinen.

Und dies wäre erst die Grob-Säuberung. Danach muss die Fein-Säuberung kommen, diese betrifft die restlichen afrikanischen Staaten, Süd- und Mittelamerika, die Karibik und natürlich das eigene Volk. Wobei ich anmerkte, dass nicht jeder der heute einen deutschen Pass besitzt reinrassig und wertvoll ist; eine Halbierung der Bevölkerungszahl kann ich mir vorstellen.

....

Stand heute sind allerdings nur sehr wenige Völker bzw. Rassen hierbei positiv hervorgetreten, andere Rassen und Kulturen wiederum haben hierbei nicht nur keinen Beitrag geleistet, sondern sind destruktiv – vor allem der Islam. Daher meine Schlussfolgerung, die besagten „Länder mit deren Bevölkerung zu eliminieren“, damit die Menschheit überhaupt eine Chance hat das „Rätsel zu lösen“, denn mit Sicherheit wird dies nicht gelingen in Anwesenheit einer numerisch deutlich überlegenen Majorität an Vollidioten.

....

Wenn man diese Kriege führt, können damit auch zwei für die Zukunft der Menschheit wesentliche Thesen geprüft werden:

1.) Können sich diese Volksgruppen zum besseren entwickeln oder

2.) Ist jede Hoffnung verloren und damit die Totalvernichtung legitim

Meine Ansicht lautete damals wie heute, dass These 2 zutreffend ist. Die folgenden Generationen können nun prüfen, ob ich recht hatte oder nicht.

Zitat-Ende.

All das kann nur den Schluss zulassen, Tobias R. hat gezielt getötet, sich die Tatorte bewusst ausgesucht. Er hatte in seiner Liste der Völker, die es zu vernichten gälte, ganz ausdrücklich "Türken und Kurden" aufgeführt. Das bedeutet, als Hanauer wird er gewusst haben, er würde in der Shisha-Bar seine Ziele – Menschen, die sich als "kurdisch" oder "türkisch" ansehen und bezeichnen – vorfinden.

Schaut man sich das "Skript" genauer an, wird man auch Passagen finden, die man so auf Twitter- oder Facebook-Accounts von Mitgliedern aus Partien wiederfinden könnte, welche dem rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet werden.

  1. ... wie es sein kann, dass solche Volksgruppen überhaupt in meinem Land sind?
  2. ... das schlechte Verhalten bestimmter Volksgruppen, nämlich von Türken, Marokkanern, Libanesen, Kurden
  3. ... Schlägereien von 5 Ausländern gegen einen Deutschen und daraus resultierende schwerste Verletzungen oder gar Tote
  4. ... Karteikarten von mehreren hundert potentiellen Verdächtigen durchsehen, wobei diese Personen zu ca. 90 % aus Nicht-Deutschen bestand. Diese Nicht-Deutschen waren wiederum hauptsächlich Südländer, sprich Türken und Nordafrikaner.
  5. Diese Menschen .... haben sich zudem in ihrer Historie nicht als leistungsfähig erwiesen.
  6. In meinen Augen passte hier somit irgendetwas nicht zusammen.
  7. ... dass wir nun Volksgruppen, Rassen oder Kulturen in unserer Mitte haben, die in jeglicher Hinsicht destruktiv sind.
  8. Stand heute ... andere Rassen und Kulturen wiederum haben hierbei nicht nur keinen Beitrag geleistet, sondern sind destruktiv – vor allem der Islam.
  9. Also keine Einwanderung zu uns, sondern Hilfe vor Ort.

So oder so ähnlich könnte und wird man das sicherlich auf dem einen oder anderen Influencer-Account der Social Media am rechten Außenrand schon gelesen haben. Die Frage ist nur: Wie geht die Bevölkerungsmehrheit jetzt, nach einem solchen Terroranschlag, damit um? Wird man versuchen – im Wissen um die Tat von Halle und die jüngste Verhaftungswelle von Extremisten, die Moscheen, ausländische Bürger und deutsche Politiker überfallen wollten – daraus einen "bedauerlichen Einzelfall" zu konstruieren oder wird man die Herausforderung annehmen und erkennen, es gibt dort möglicherweise ein strukturelles Problem? Die kommenden Stunden, Tage, Wochen und Monate werden darüber Auskunft erteilen.

(Hürriyet.de)

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