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Beşiktaş und Fenerbahçe versinken im Mittelmaß

12.11.2018 14:50 Uhr, von Christian Erhardt

Der türkische Fußball ist sehr speziell. Daran haben sich alle Fans der Süper Lig in den vergangenen Jahrzehnten gewöhnt. Und doch gab es eine Konstante: Die drei großen Klubs aus Istanbul hatten am Ende eigentlich immer die Nase vorne. Danach sieht es diese Saison aber nicht aus.

Sprechen wir über den Fußball in der Türkei und die Süper Lig, so sprechen wir über drei Meisterkandidaten: Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş. Seit der Saison 1984/85 gelang es in der Saison 2009/10 nur Bursaspor in die Phalanx der "Großen Drei aus Istanbul" einzubrechen. Ansonsten waren es in den letzten drei Jahrzehnten stets diese Klubs, welche den Meister am Ende des Tages unter sich ausmachten.

Aber es riecht nach "Wind of Change" in der Saison 2018/19. Bis auf Galatasaray hat sich der Rest des Trios schon früh aus den oberen Tabellenregionen verabschiedet. BJK hat auf Rang 7 nach 12 Spieltagen 9 Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Bei Fener sind es auf dem 13. Rang schon 14 Punkt auf den Platz an der Sonne.

Başakşehir und Co. wirbeln in der Süper Lig

Trabzonspor, eigentlich stets ein Anwärter auf einen der vorderen Tabellenplätze in der Süper Lig, verliert am 12. Spieltag bei Malatyaspor. BJK lässt zuhause gegen Sivasspor drei Punkte liegen. Und die bisherige Saison der Kanarienvögel aus Kadıköy ist mit der Bezeichnung "gebraucht" nicht einmal ansatzweise richtig beschrieben.

So ist es kein Wunder, dass Başakşehir mit vier Punkten Vorsprung auf Galatasaray die türkische Liga komfortabel anführt. Kasımpaşa gewinnt 2:1 in Bursa und sichert sich damit im Moment den dritten Platz. Ein Zeichen dafür, dass sich der Fußball in der Türkei im Umbruch befindet?

Nur ein Strohfeuer der "Kleinen"?

Bei Fenerbahçe wurde durch die beiden Siege gegen den RSC Anderlecht in der Europa League und gegen Alanyaspor in der Süper Lig deutlich, dass die Krise zu Saisonbeginn überwunden scheint. Gerade in der ersten Hälfte gegen Alanya wusste die Elf von Erwin Koemann vor 32.000 Zuschauer im Ülker-Stadion zu überzeugen. Der Niederländer, eigentlich Co-Trainer der Kanarienvögel, empfiehlt sich damit für weitere Aufgaben auf dem Chefcoach-Posten.

Auch Galatasaray konnte nach der Niederlage in der Champions League beim FC Schalke 04 in der Süper Lig Imagepflege betreiben. In Kayseri ließ Cimbom nichts anbrennen und konnte mit dem 3:0-Auswärtssieg drei Punkte mit an den Bosporus nehmen. Selbst ohne die gesperrten Coaches Fatih Terim und Hasan Şaş war der Sieg in Kayseri niemals gefährdet.

"Schwarze Adler" können Führung nicht nutzen

Wenig Grund zur Freude gab es jedoch für die "Schwarzen Adler" vom Dolmabahçe-Palast. Eigentlich waren die drei Punkte gegen Sivasspor im heimischen Vodafone-Park fest gebucht. Eigentlich. Nach elf Minuten sah es auch mit der 1:0-Führung gut aus - die aber nur drei Minuten später bereits ausgeglichen wurde. Ganz dicke kam es für die Adler dann in der 53. Spielminute, als Sivas die Führung markierte und diesen hauchdünnen Vorsprung auch über die Zeit brachte.

Nachdem Galatasaray und Fener wieder Fahrt aufnehmen, bleibt es also abzuwarten, ob sich die "Kleinen" an der Spitze der Süper Lig behaupten können. Oder werden die "Big 3" die Verhältnisse wieder korrigieren und am Ende doch die Meisterschaft unter sich ausspielen, wie es die letzten Jahrzehnte war? Eines ist sicher im türkischen Fußball: Nichts ist sicher. Der Faktor, der letztlich auch den besonderen Reiz der Liga ausmacht.