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Berkin Elvan - Gericht ordnet Tatort-Analyse an

28.2.2019 11:57 Uhr

Ein Gericht in Istanbul hat die Behörden aufgefordert, eine Tatort-Analyse an dem Ort durchzuführen, an dem Berkin Elvan während der Gezi-Proteste im Sommer 2013 von einem Tränengaskanister der Polizei am Kopf getroffen wurde.

Nachdem er neun Monate in einem Koma lag, verstarb der damals 15-jährige Berkin Elvan im März 2014.

Das 17. Schwere Strafgericht von Istanbul entschied am 27. Februar, dass am 10. April im Istanbuler Stadtteil Okmeydani eine Tatort-Analyse durchgeführt werden sollte. Der mutmaßliche Polizeibeamte, der den Tränengaskanister geschossen haben soll und der nur als F.D. identifiziert wurde, nahm an der Anhörung über das Audio- und visuelle Informationssystem (SEGBİS) teil. Zwei weitere Polizeibeamte, die als Zeugen an der Anhörung über SEGBİS teilgenommen haben, gaben an, dass sie den Verdächtigen oder die am 16. Juni 2013 in Okmeydanı stationierten Beamten nicht kennen. Sie sagten auch, dass sie an diesem Tag nicht dort im Einsatz gewesen wären.

Spannungen im Gerichtssaal

Im Gerichtssaal kam es zu Spannungen, als eine der Richterinnen während der Anhörung mit ihrem Mobiltelefon beschäftigt war. Elvans Anwalt Can Atalay kritisierte sie deswegen scharf: "Es ist inakzeptabel, dass eine Richterin auf ihr Handy schaut und lächelt, während ein Anwalt eine Aussage zu einem Todesfall macht", sagte Atalay.

Nach den Bemerkungen des Anwalts sagte die fragliche Richterin: "Sie können nicht wissen, was ich [auf meinem Handy] ansehe. Was mich beschäftigt, geht Sie nichts an."

Antrag auf Festnahme des Verdächtigen abgelehnt

Das Gericht wies den Antrag von Atalay auf die Festnahme des verdächtigen F. D. zurück und verschob die Anhörung auf den 18. Mai.

Berkin Elvan wurde am 16. Juni 2013 während der Gezi-Park-Proteste im Istanbuler Stadtteil Okmeydanı von einem Tränengaskanister getroffen. Er wurde wegen seiner Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, fünf Mal operiert und starb nach 269 Tagen im Koma.

(Hürriyet Daily News)