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Berichte über Unfälle am Arbeitsplatz von Kindern

12.6.2019 15:59 Uhr

Zahlreiche Kinder in der Türkei sind nach wie vor Opfer von nicht registrierten Arbeits- und Arbeitsunfällen, wie mehrere Berichte belegen. Laut einem Bericht der größten Oppositionspartei CHP und deren stellvertretenden Vorsitzenden Gamze Akkus Ilgezdi, haben 2897 Kinder, die jünger als 14 Jahre alt waren, zwischen 2003 und 2017 Arbeitsunfälle erlitten. Drei Kinder verloren bei Arbeitsunfällen ihr Leben.

Ilgezdi hat in ihrem Bericht auch Arbeitsunfälle bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren aufgeführt und festgehalten, dass 34.548 junge Menschen im gleichen Zeitfenster Arbeitsunfälle erlitten haben. Ein weiterer Bericht, der von einer NGO veröffentlicht wurde, hat seinen Fokus auf tödliche Unfälle von Kindern gelegt und für das Jahr 2019 erschreckende Zahlen publik gemacht. So seien aktuell in den ersten fünf Monaten des Jahres mindestens 26 Kinder an Arbeitsplätzen getötet worden.

Zahlenmaterialien basieren auf unterschiedlichen Quellen

Die Zahl der Todesopfer von Kinderarbeitern belief sich laut eines Berichts der Vereinigung der für Gesundheit und Arbeitssicherheit ISIGM im Jahr 2013 auf 59, 2014 auf 54, 2015 auf 63, 2016 auf 56, 2017 auf 60 und 2018 auf 67. Die Berichte der stellvertretenden CHP-Vorsitzenden und des ISIGM kamen vor dem Welttag gegen Kinderarbeit heraus, der jedes Jahr im Juni begangen wird, um das Bewusstsein für die Not der Kinderarbeiter weltweit zu schärfen. Das Zahlenmaterial von Frau Ilgezdi basierte auf Zahlen auf Daten der Sozialversicherungsanstalt (SGK), während ISIGM seine Daten aus Berichten von Print- und Online-Medien sowie von Gewerkschaften abgeschöpft hat.

Nach Angaben der SGK kamen zwischen 2003 und 2017 rund 116 Kinder und Jugendliche bei Arbeitsunfällen ums Leben. 2018 starben mindestens 44 Kinder- und Jugendarbeiter am Arbeitsplatz. "Die Zahl der Todesopfer lag im Jahr 2003 bei einem Kind oder Jugendlichen. Die Zahl der getöteten Kinder- und Jugendarbeiter stieg von 2003 bis 2018 um sage und schreibe 4300 Prozent", sagte Ilgezid. Laut ISIGM arbeiten 41,4 Prozent der Kinderarbeiter in der Türkei, um "zum Haushaltseinkommen beizutragen" und 28,7 Prozent, um "die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Haushalts zu erweitern". Außerdem kann etwa die Hälfte der Kinderarbeiter im Land keine Schule besuchen.

Steigende Zahlen bei arbeitenden Flüchtlingskindern

Die Provinzen, in denen die meisten Todesfälle zu beklagen gewesen sind, sind Sanliurfa, Istanbul, Gaziantep und in Antalya sowie Adana. In diesen Regionen gibt es viele Kinder, viel an landwirtschaftlicher Arbeit und ein hohes Flüchtlingsaufkommen, wie dem ISIGM-Bericht zu entnehmen ist. Die Hälfte der Kinder, die 2019 bei Arbeitsunfällen ums Leben kamen, waren Landarbeiter, während 43 Prozent in der Industrie und sieben Prozent im Dienstleistungssektor arbeiteten, heißt es in dem Bericht von ISIGM weiter. Die meisten Todesfälle von Kinderarbeitern wurden laut dem Bericht durch versehentliche Vergiftung, Ertrinken, Verkehrsunfälle, Herunterfallen von Gegenständen oder Quetschungen verursacht.

"Alle Kinderarbeiter, die ertrunken sind, waren Landarbeiter, die in Bewässerungskanäle geraten sind, um sauberes Wasser zu erhalten oder sich zu erfrischen", heißt es in dem Bericht der NRO. Neun der 26 getöteten Kinder waren laut ISIGM 14 Jahre oder jünger. In der Türkei beträgt das Mindestalter für eine Vollzeitbeschäftigung 15 Jahre. Laut ISIGM waren vier der 26 verstorbenen Kinderarbeiter Flüchtlinge.

"Mit der Ankunft syrischer Flüchtlinge in die Türkei kann man sagen, dass die Zahl der Kinderarbeiter gestiegen ist und sich auch ihre Arbeitsbedingungen in jeder Hinsicht verschlechtert haben. Flüchtlingskinder arbeiten sowohl unter schlechteren als auch unter gefährlicheren Bedingungen und sind Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt", heißt es in dem Bericht als Lageeinschätzung.

(Hürriyet.de)