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Benedikt XVI. distanziert sich von Mitautorenschaft

15.1.2020 16:21 Uhr

Der frühere Papst Benedikt XVI. hat sich von seiner vermeintlichen Mitautorenschaft eines umstrittenen Buchs über das Eheverbot für Priester distanziert, das von dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah herausgegeben wurde. Auf Anweisung des emeritierten Papstes habe er Kardinal Sarah aufgefordert, "den Verlag zu bitten, den Namen von Benedikt XVI. vom Bucheinband zu entfernen", sagte sein Privatsekretär Georg Gänswein am Dienstag der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Das Gleiche gelte für Benedikts Unterschrift unter Einleitung und Schlusswort des Buchs.

Von der französischen Zeitung "Le Figaro" vorab veröffentlichte Auszüge aus dem Buch "Des profondeurs de nos coeurs" (Aus den Tiefen unserer Herzen) hatten am Sonntag für Aufsehen gesorgt. Die Auszüge warnen Benedikts Nachfolger Franziskus vor einer Aufweichung des Zölibats für katholische Priester. Vatikan-Experten zeigten sich verblüfft, dass Benedikt öffentlich Stellung zu Angelegenheiten seines Nachfolgers bezieht. Rasch kamen Zweifel auf, ob Joseph Ratzinger das Buch tatsächlich mitverfasst hat, wie dessen Aufmachung vermuten lässt. Vatikan-Experten äußerten den Verdacht, ultrakonservative Geistliche im Vatikan könnten den 92-Jährigen für ihre Zwecke benutzen wollen. Nach seinem Rücktritt als Papst im Jahr 2013 hatte sich Benedikt vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Gänswein spricht von Missverständnis

Der 92-Jährige habe von dem Buchprojekt des Kurienkardinals aus Guinea gewusst und Sarah einen seiner Texte zum Zölibat zur freien Verfügung überlassen, erklärte Gänswein weiter. Auf keinen Fall aber habe er einer Mitautorenschaft zugestimmt, noch sei er über die Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen. Gänswein sprach von einem "Missverständnis", das aber die "guten Absichten von Kardinal Sarah" nicht in Frage stelle. Das Buch soll am Mittwoch in die französischen Buchläden kommen.

Franziskus prüft derzeit, ob in entlegenen Weltgegenden wie etwa bestimmten Gebieten des Amazonas, in denen es einen großen Priestermangel gibt, den Geistlichen die Ehe erlaubt werden soll. Es wird erwartet, dass er seine Entscheidung in den nächsten Wochen verkündet. Bei einer Amazonas-Synode im Oktober in Rom hatten Bischöfe den Papst aufgerufen, in der Amazonasregion das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen. Papst Franziskus hatte am Montag mit einem generellen Bekenntnis zum Zölibat auf die Veröffentlichung der Buchauszüge reagiert. Allerdings könnte es künftig Ausnahmen für katholische Pfarrer in besonders entlegenen Weltgegenden geben, ließ er über einen Sprecher erklären.

(ce/afp)

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