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Bei Protesten in Paris: Gelbwesten stürmen Regierungsgebäude

6.1.2019 17:36 Uhr

Während der Proteste am Samstag hat eine Gruppe von "Gelbwesten" das Ministeriumsgebäude von Regierungssprecher Benjamin Griveaux gestürmt.

Mehrere "Gelbwesten" und schwarz gekleidete Demonstranten drangen am Samstag in die gesicherte Anlage ein und randalierten im Innenhof, wie Griveaux mitteilte. Der Regierungssprecher wurde in Sicherheit gebracht. Landesweit kam es bei den wieder erstarkenden Protesten zehntausender "Gelbwesten" zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Staatschef Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt.

Mit dem Gabelstapler durch die Tore

Für Empörung sorgte der Vorstoß von Anhängern der Protestbewegung in das Ministeriumsgebäude, in dem sich das Büro des Regierungssprechers befindet. Mehrere Aktivisten durchbrachen am Nachmittag mit einem Gabelstapler die Tür zum Innenhof des Gebäudes, wie Griveaux weiter mitteilte. Im Innenhof hätten die Eindringlinge "zwei Autos zerstört, mehrere Fensterscheiben, und dann sind sie wieder gegangen." Der Angriff habe "nicht mir, sondern der Republik gegolten", betonte Griveaux. Macron reagierte scharf auf die erneuten Ausschreitungen. "Einmal mehr ist die Republik von extremer Gewalt attackiert worden", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er rief zur Mäßigung und zur Rückkehr zum Dialog auf. Auch Innenminister Castaner ermahnte die Demonstranten zur Ruhe. Jeder habe eine "Verantwortung" und müsse "das Gesetz respektieren".

Proteste weiblicher Gelbwesten am Sonntag

Auch am Sonntag versammelten sich mehrere hundert weibliche Anhänger der "Gelbwesten" auf dem Bastille-Platz zu einer friedlichen Kundgebung. Die Frauen wollten nach der Gewalt vom Vortag ein "neues Bild" der Protestbewegung abgeben, hieß es.

Scholz hält ähnliche Proteste in Deutschland denkbar

Deutsche Politiker kritisierten die neuerliche Eskalation in Frankreich. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sie habe "kein Verständnis" für die Gewalt. Vergleichbare Demonstrationen in Deutschland erachtete sie als unwahrscheinlich. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hält es hingegen für denkbar, dass sich auch in Deutschland eine Protestbewegung von Geringverdienern bildet. "Es gibt auch in Deutschland ein nicht zu unterschätzendes ´Gelbwesten´-Potenzial", sagte er der "Bild am Sonntag".

(be/afp)