EPA-EFE

Bürgermeister Ekrem Imamoglu gibt sich kämpferisch

7.5.2019 11:01 Uhr

Ekrem Imamoglu, gewählter und im Amt bestätigter Bürgermeister von Istanbul, verurteilt die Entscheidung des Hohen Wahlausschusses, die Kommunalwahlen in Istanbul erneut durchführen zu lassen. Bei einer spontanen Veranstaltung nach dem Fastenbrechen in Istanbul sagte Imamoglu, er werde sich mit dem Vorsitzenden seiner Partei, Kemal Kilicdaroglu und anderen Parteiführern treffen und die "richtigste" Entscheidung treffen.

Der Auftritt in Istanbul war typisch für Ekrem Imamoglu. Ruhig, sachlich, versöhnlich und doch auch kämpferisch sowie enttäuscht von der Entscheidung, die vom YSK getroffen wurde. Vergleicht man seine Rede mit den Reden, die er zuvor gehalten hat, fiel auf, er war schon etwas lauter und deutlicher. "Durch unsere Arbeit haben wir diese Wahl gewonnen. Schon am Wahlabend hat man versucht, uns den Sieg zu stehlen. Man kürte sich zum Sieger, als man 3000 Stimmen Vorsprung hatte. Aber diese Nation hat immer für die Demokratie gekämpft. Das tun die ganzen 82 Millionen Bürger."

Hemdsärmeliger Auftritt von Imamoglu

"Der Hohe Wahlrat YSK sollte sich schämen. Vom ersten Tag an wurden sie unter politischen Druck gesetzt. Man wirft ihnen nun vor, sie hätten die Wahlen nicht richtig überwachen können. Die Leute, die zuvor schon die Präsidentschaftswahlen überwachten und auch die Wahlen zum Referendum. Wenn sie das nicht überwachen konnten, müssen auch diese Wahlen neu abgehalten werden."

(Bild: epa/efe)

Im Verlauf seiner Ansprache machte Imamoglu auch optisch deutlich, dass er hemdsärmelig arbeiten will. Das er sich der Herausforderung stellen wird. Er legte seine Krawatte ab, sein Jackett und krempelte die Ärmel hoch. Als sichtbares Zeichen, dass er nicht davonlaufen würde, wenn es enger wird. "Wir sind demokratiehungrig. Wir sind jung. Niemand kann den Willen der Menschen dauerhaft aufhalten. Wir werden niemals aufgeben. Ich werde Seite an Seite mit den 16 Millionen Istanbulern stehen. Und mit den 82 Millionen Menschen in der ganzen Türkei. Wir werden es nicht zulassen, dass dieses Land von einer Handvoll an Leuten übernommen wird. Und wir werden uns ruhig verhalten. Denn es gibt die, die nun wollen, dass wir gewalttätig werden. Sie werden enttäuscht sein, wenn wir ruhig bleiben. Natürlich könnte Ihr einen Moment der Hoffnungslosigkeit haben. Aber trocknet Eure Tränen, wir sind da und wir werden mit Euch gemeinsam arbeiten. Morgen werde ich nach Ankara reisen und mit allen Parteiverantwortlichen sprechen. Mit unseren Koalitionspartnern. Wir werden gemeinsam entscheiden, wie wir die nächsten Schritte gehen werden. Jeder, der ein Gewissen hat, muss über das sprechen, was hier geschehen ist. Künstler, Geschäftsleute, einfach jeder. Jetzt ist die Zeit gekommen zu reden. Sprecht deutlich. Der einzige Grund, warum man mich nicht als Bürgermeister von Istanbul haben will, ist die Tatsache, dass ich nicht nur auf einen einzelnen Mann höre. Ich höre 16 Millionen zu."

Imamoglu zeigt sich kämpferisch und hoffnungsvoll

Dass Bürgermeister Imamoglu emotional involviert war, konnte man daran erkennen, dass ihm immer wieder die Stimme "kippte". Doch er fuhr unbeirrt fort: "Ich gebe ein Versprechen. Vielleicht wird jetzt versucht, den Wirtschaftskollaps zu verstecken, den Dreck wegzufegen und die eigenen Fehler in den kommenden 45 Tagen zu covern. Aber wir werden unser Recht zurückgewinnen und werden das zusammen gewinnen. Ich höre nicht auf einen Mann, die Stiftungen, die Wohltätigkeitsvereine oder Parteien. Jeder hat das Recht zu sprechen und gehört zu werden."

(Bild: epa/efe)

Auch an die Wähler der AKP und MHP wandte sich Bürgermeister Imamoglu: "Ich rufe euch an, liebe Freunde in der AKP und in der MHP. Einige versuchen die Parteien zu ändern, sie ihren Prinzipien anzugleichen. Steht auf gegen das, was Ihr als ungerecht und unmoralisch anseht. Alles wird gut werden. Wir haben Hoffnung und unsere Hoffnung steht genau hier. An diesem Ramadan-Abend wir sind hier zusammen mit Gott. Ich werde all die Momente mit Euch teilen. Ich liebe Euch. Wir werden siegen!"

Der YSK gab im Vorfeld dieser Ansprache am 6. Mai bekannt, dass am 23. Juni in Istanbul Neuwahlen stattfinden werden. Die YSK-Mitglieder akzeptierten den Einspruch der AKP gegen das Wahlergebnis mit sieben Stimmen und vier Gegenstimmen.

(Hürriyet.de)

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