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Ballon-Fahrten-Konsortium unter der Lupe

9.6.2019 17:06 Uhr

Kappadokien ist für viele Dinge bekannt: die Feenkamine, in Felsen geschlagene Boutique-Hotels und natürlich die Möglichkeit, rund ums Jahr die atemberaubende Landschaft von einem Heißluftballon aus zu genießen. Doch genau diese Ballonfahrten stehen jetzt im Kreuzfeuer der Kritik. Oder besser gesagt: das Konsortium aus 19 Anbietern, die den freien und fairen Wettbewerb in der Region untergraben sollen.

Denn diese 19 Anbieter, die sich unter dem Dach der Firma "Dorak Turizm" zusammengefunden haben, schienen mittlerweile eine Monopolstellung einzunehmen, unter der die verbleibenden Heißluftballon-Fahrten-Anbieter in der Provinz Nevsehir leiden. Jetzt hat sich sogar das türkische Kartellamt eingeschaltet, um die sich zuspitzende Situation in Kappadokien genauer unter die Lupe zu nehmen.

Weltweit beliebteste Region für Heißluftballon-Fahrten

Nirgendwo auf der Welt steigen mehr Heißluftballons in den Himmel wie in Kappadokien. In 2018 soll mehr als die Hälfte aller Ballonfahrten weltweit in der felsigen Region stattgefunden haben. Das liegt auch daran, dass die Ballons aufgrund der thermischen Bedingungen rund ums Jahr abheben können.

Insgesamt sind in Kappadokien 25 Anbieter registriert, die zusammen über 239 Ballons verfügen. So kann es passieren, dass hier am Tag 150 Ballons in die Höhe steigen. 19 der 25 Anbieter gehören nun zum Konsortium von Dorak Tourismus. Im letzten Jahr unternahmen 537.500 Touristen eine Ballonfahrt. Das brachte für die Region Einnahmen von fast 70 Millionen Euro.

Vorwürfe gegen das Konsortium

Es mehren sich die Beschwerden, dass Touristen, die nicht auch andere Dienste wie Hotels oder Agenturen von Dorak in Anspruch nehmen, Ballonfahrten verweigert werden. Selbst, wenn diese bereits vor der Anreise online gebucht und bezahlt worden sind. Einige Touristen hätten angeblich die Ballongebühr bezahlt, wären aber für die gebuchte Fahrt nicht akzeptiert worden.

"Die Reservierungen der Touristen, die vor ihrer Ankunft gebucht und ihre Gebühr bezahlt haben, werden grundlos storniert. Es gibt viele Touristen, die unter dieser Praxis gelitten haben. Die Ballonfahrtpreise wurden wie durch eine Auktion ermittelt. Dies wurde zu einer Börse. Die Preise steigen dabei auf bis zu 600 Dollar", sagten einige der Tourismusanbieter. Normalerweise kostet eine Ballonfahrt um die 200 Dollar.

Unter Schutz gestellt

Kappadokien gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist für seine unterirdischen Städte, die Feenkamine, die Heißluftballon-Fahrten und vielen außergewöhnlichen Boutique-Hotels bekannt. Erst vor kurzem hat das Parlament ein Gesetz zum Schutze der Region auf den Weg gebracht. Durch dieses Gesetz soll eine neue Behörde eingesetzt werden, die dazu berechtigt ist, die historischen, kulturellen und natürlichen Schätze zu schützen.

So wird die Behörde unter anderem dazu befugt sein, illegal errichtete Gebäude abzureißen. Auch der Verkauf, die Vermietung und Restaurierung von öffentlichen Gebäuden in Kappadokien wird über die Behörde abgewickelt. Doch nicht jeder ist über diese neue Behörde erfreut. Viele der touristischen Anbieter befürchten, dass die neue Regierungsbehörde der Region möglicherweise nicht unbedingt förderlich ist. Wie sie der Hürriyet Daily News mitteilten, befürchten sie, dass das System ins Stocken gerät, jedes Mal, wenn ein neuer Gouverneur gewählt wird. Ihrer meinen nach sollten bei weitreichenden Entscheidungen auch die lokalen Gemeinden und Nichtregierungsorganisationen miteinbezogen werden.

(be/Hürriyet Daily News)

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