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Baha Güngör ist tot - der deutsch-türkische Journalismus verliert einen Vorreiter

23.11.2018 10:10 Uhr, von Chris Ehrhardt

Der deutsch-türkische Journalismus hat am Donnerstag einen seiner führenden Köpfe verloren. Baha Güngör, Journalist, Ehemann und Vater von zwei Kindern, starb im Alter von nur 68 Jahren an Krebs.

Herausragendes Kennzeichen von Baha Güngör, der 1961 im Alter von 11 Jahren nach Deutschland kam, war wohl Zeit seines Lebens seine 'Unaufgeregtheit'. Er war ein großer Zuhörer, ein ausgezeichneter Analyst mit messerscharfem Verstand und ein noch viel besserer 'Lehrer'. Es gab nichts, was Baha Güngor seiner Zuhörerschaft – egal wie klein oder groß sie auch war – nicht nahebringen konnte. Kaum jemand war besser in der Lage, die Verhältnisse in der Türkei leicht verständlich an die Frau und den Mann zu bringen.

In den Zeiten, in denen sich das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara merklich abkühlte, nahezu frostig wurde, war Baha Güngör 'der Mann der Stunde'. Ob in Online- oder Printinterviews, in TV-Sendungen, über Podcasts oder Radiosendungen, Baha schaffte es wieder und wieder Brücken zu bauen, wo andere Menschen daran scheiterten. Und dabei suchte er nie den bequemen, den einfachen Weg, sondern regte zum nachdenken an. Er zeigte schonungslos Nachlässigkeiten und Versäumnisse auf – auch auf deutscher Seite.

Baha Güngör und die Liebe zum 1. FC Köln

Baha Güngor hat Geschichte geschrieben. Über den Weg der Betriebswirtschaftslehre kam er zum Journalismus und avancierte zum ersten Zeitungsvolontär mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Und seine journalistische Vita ist beeindruckend. Kölnische Rundschau, Bonner General-Anzeiger, Reuters, Westdeutsche Allgemeine, dpa, Leiter der Türkei-Redaktion der Deutschen Welle, Buchautor von 'Atatürks wütende Enkel' – das ist das Erbe, das Baha Güngör hinterlässt und eine hohe Messlatte für Journalisten, die sich im deutsch-türkischen 'Medienmarkt' bewegen.

Die große Liebe, die er für das deutsch-türkische Geschehen mitbrachte, musste aber geteilt werden – mit seiner Liebe zum Effzeh, dem 1. FC Köln. Ein Themenbereich, wo die sonst so moderaten Töne des gebürtigen Istanbulers auch einmal weniger moderat ausfallen konnten. Vor etwas mehr als einem Jahr fragte ich ihn: 'Baha, was macht für dich einen wirklich guten Journalisten aus?' Seine Antwort war fast typisch für ihn: "Du musst zuerst einmal Fan vom Effzeh sein. Damit beweist du deine Leidensfähigkeit. Und dann, wenn du das schaffst, musst du als Journalist charmant die Fragen stellen, die sich Kolleginnen und Kollegen nicht trauen zu fragen. Kannst du das, hast du das Rüstzeug zum guten Journalisten.' Ich musste ihm dann gestehen, dass ich an der Hürde Effzeh kläglich scheitern werde.

Der deutsch-türkische Journalismus verliert mit Baha Güngör einen großen Mann. Und vielleicht werde ich für Baha irgendwann doch noch ein klein wenig Effzeh-Fan: Maach et joot, Baha.