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AWO Wohnen und Pflegen Weser-Ems GmbH plant Pflegekräfte in Istanbul zu rekrutieren

5.8.2019 9:54 Uhr, von Chris Ehrhardt

Der Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften im Segment der Pflege in Deutschland ist seit langer Zeit bekannt. Die Ausbildung in den Betrieben kann den Bedarf nicht mehr decken. Der Bedarf in der Altenpflege ist in den nächsten Jahren enorm. Heute pflegen und betreuen 590.000 Vollzeitkräfte die Pflegebedürftigen. 2030 besteht bereits ein Bedarf an 720.000 Vollzeitkräften und 2050 steigt die Zahl auf rund eine Million. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, geht die AWO nun mit Hilfe der Berliner Agentur PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH gemeinsame Wege, um Pflegepersonal aus der Türkei zu rekrutieren. Ein Team wird sich dieser Herausforderung stellen, ein Scheitern ist keine Option, um das deutsch-türkische Projekt zum Erfolg zu führen. Doch um was geht es genau?

Unter dem Arbeitstitel "Generationen Hand in Hand in der Pflege" hat die AWO Weser-Ems, die PKS GmbH in Berlin und die türkische Gewerkschaft für Gesundheitsberufe - Tüm Saglik-Sen – in Ankara sowie EKIP International in Istanbul ein spannendes Projekt auf den Weg gebracht. Dabei geht es darum, dass hochqualifiziertes Pflegepersonal aus der Türkei für den deutschen Pflegemarkt professionell vorbereitet und rekrutiert wird. Wer in der Türkei in Pflegeberufen tätig sein will, muss eine vierjährige Uni-Ausbildung absolvieren. Das heißt, pflegefachlich wird in der Türkei in der Champions League gespielt. Und das soll nun auch dem deutschen Pflegemarkt Nutzen bringen.

Professionelle Vorbereitung auf den Jobeinsatz in Deutschland

Die AWO in Weser-Ems hat nichts dem Zufall überlassen, weswegen sie sich mit PKS ein hochkarätiges Team dazu holte. Thomas Elsner, Hauptgeschäftsführer des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems ist es ein besonderes Anliegen, eine gute Vorbereitung, Durchführung und insbesondere eine gute Begleitung in den ersten Monaten der Arbeit in Deutschland sicherzustellen. Wir wollen den neuen Fachkräften eine gute Basis für eine Zukunft bieten. Sie müssen sich wohlfühlen, damit sie auch eine gute Arbeit machen können. Federführend für die PKS ist Frau Gül Keskinler mit am Ball – und ja, "am Ball" ist sicher nicht zufällig gewählt. So war Frau Keskinler bis 2016 die Integrationsbeauftrage des DFB und hat dort zehn Jahre erfolgreiche Arbeit abgeliefert. Und sie kennt den türkischen Markt als gebürtige Istanbulerin, die seit 1998 Deutsche ist, wie ihre Westentasche. Und natürlich kennt sie als Fachfrau für Integration beim DFB selbstverständlich auch die Markterfordernisse in Deutschland. Doch wo ist nun der "Catch" am und hinter dem Projekt?

Quelle:Gül Keskinler


Immer mehr Deutsche und auch Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland werden auf professionelle Pflege angewiesen sein. Für die deutsche Kundeklientel der Pflege bringen exzellent ausgebildete Pflegekräfte aus der Türkei das fundierte Fachwissen auf höchstem Niveau mit und für alte Menschen mit den Wurzeln in der Türkei, die der Pflege bedürfen, bringt das Pflegepersonal, das für die AWO rekrutiert werden soll, die nativen Sprachkenntnisse in Türkisch mit. So werden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Pflegenotstand kann beseitigt werden und die Kultursensibilität wird gewahrt. Alles richtig gemacht, möchte man sagen.

Welche Aufgaben sind für AWO und PKS zu stemmen?

Als Hauptaufgabe wird auf die Köpfe hinter dem Projekt die Aufgabe zukommen, die Sprachbarriere zu beseitigen. Und da wusste Frau Keskinler "grünes Licht" zu geben. Das heißt, die Kandidatinnen und Kandidaten, die beim Casting in Istanbul infrage kommen und genommen werden, werden sich in Zusammenarbeit mit dem renommierten Goethe-Institut einer Sprachschulung unterziehen, um das Sprachniveau B2 zu erreichen, was auch zertifiziert wird. Das Sprachvermögen wird darüber hinaus auch noch in Deutschland am AWO-Standort in Oldenburg vertieft. Das heißt, neben der Arbeitstätigkeit werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Türkei im perfekten Sprachumgang weitergeschult.

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Doch auch darüber hinaus steht die AWO gemeinsam mit der PKS den Pflegekräften zur Seite. Denn wie es bei der ehemaligen Integrationsbeauftragen des DFB eigentlich zu erwarten ist, wird es ebenso ein intensives Integrationsprogramm geben. Die türkischen Pflegekräfte werden nicht sich selbst überlassen, sondern über Praktika in Oldenburg und die Integrationsbetreuung "an die Hand genommen". Und auch in der Türkei selbst werden diverse Parameter eingestellt. So ist geplant, dass die Universitätsausbildung und die Berufsfachschulen in der Türkei den Standards angeglichen werden, die für Pflegekräfte in Deutschland notwendig sind. Hier werden dann die AWO, die PKS, die türkischen Gewerkschaften und die Unis eng kooperieren. Ziel ist es, sofort zweisprachige Lehrpläne zu implementieren, um die Ausbildung entsprechend aufzustellen.

Pflegekräfte aus der Türkei – hochmotiviert an eine Herkulesaufgabe

Vor dem hochmotivierten Team stehen natürlich auch einige Hürden zu bewältigen. So wird es sicher spannend, wie in Sachen Visum oder einem möglichen Familiennachzug zu verfahren ist, wenn die Pflegekräfte dauerhaft ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Deutschland haben werden. Auch die Anerkennung des türkischen Berufsabschlusses in Deutschland muss noch ansatzweise geglättet werden, was aber für das gut aufgestellte Team sicher zu stemmen sein wird. Fachliche und sprachliche Anpassungsqualifizierungen werden von der AWO sowie PKS begleitet. Doch was erwartet die Bewerberinnen und Bewerber aus der Türkei job- und vergütungstechnisch?

Vergütet wird nach den marktüblichen Konditionen. Das heißt, je mehr an Berufserfahrung mitgebracht wird, desto höher wird auch am Ende die Vergütung ausfallen. Überstunden werden bezahlt oder via Freizeit abgeglichen, Nachtzuschläge – in der 24-Stundenpflege von Patienten stets ein wichtiges Thema – werden übernommen und die Urlaubsregelungen richtet sich an den normalen Gepflogenheiten des deutschen Marktes aus.

Hieran sieht man, wie gut durchdacht das komplette Projekt ist, dem man als Brücke zwischen der Türkei und Deutschland nur den größten Erfolg wünschen kann.

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