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Aussage des Vorsitzenden der Religionsbehörde in der Türkei löst Debatte aus

27.4.2020 21:32 Uhr

Eine Erklärung des Vorsitzenden für religiöse Angelegenheiten, Ali Erbas, über Homosexualität, löste eine neue Debatte in der Türkei aus. Die Anwaltskammer aus Ankara übte deutliche Kritik und veröffentlichte eine Erklärung dazu, die jetzt zu einer staatsanwaltlichen Untersuchung geführt hat, welche die Staatsanwaltschaft in Ankara gegen die Anwälte einleitete.

"Der Islam kategorisiert Ehebruch als eine der größten Sünden. Der Islam verflucht Homosexualität", sagte Erbas während einer Freitagspredigt am 24. April und suggerierte, dass Homosexualität "Krankheiten verursacht und die Generation verkümmern lässt". Er fuhr mit den Worten fort: "Hunderttausende Menschen pro Jahr sind vom HI-Virus gefährdet, das durch diese große Illegalität verursacht wird, welche der Ehebruch durch das illegitime und unverheiratete Leben in der islamischen Literatur darstellt. Lasst uns gemeinsam kämpfen, um die Menschen vor solch einem Übel zu schützen."

Diese Bemerkungen aus dem Freitagsgebet wuchsen zu einer Debatte mit Reaktionen von Organisationen der Zivilgesellschaft, Anwälten und Politikern heran. Der Hashtag #AliErbasyanlızdegil (Übersetzung "Ali Erbas ist nicht allein") wurde zu einem der am meisten diskutierten Themen in türkischer Sprache auf Twitter. Die Anwaltskammer aus Ankara nahm sich dem an, antwortete in einer Erklärung und warf Erbas vor, die Öffentlichkeit zu Hass und Feindseligkeit anzuregen. Die Anwaltschaft fuhr gegenüber Erbas damit fort, dass er "Zahlungen erhalten habe, um Kindesmissbrauch zu ignorieren und um zu versuchen, den Grund für Frauenfeindlichkeit mit religiösen Diskursen zu legitimieren". Die Anwaltskammer legte weiter nach und sagte, wenn er trotz seines Diskurses über LGBTIQ+ sowie seiner Rhetorik gegenüber Frauen und Kindern im Amt bliebe, "solle es niemanden überraschen, wenn er in seiner nächsten Rede die Menschen einlädt, Frauen auf den Plätzen mit Fackeln in den Händen zu verbrennen."

Kritik an der Anwaltskammer auf breiter Front von der AKP-Regierung

Basierend auf dieser Erklärung der Anwaltskammer von Ankara leitete ihrerseits die Generalstaatsanwaltschaft von Ankara am 27. April eine Untersuchung gegen die besagte Anwaltskammer von Ankara mit dem Vorwurf ein, "die religiösen Werte eines Teils des Volkes zu beleidigen". Der Sprecher des Präsidenten, Ibrahim Kalin und der Kommunikationsdirektor des Präsidenten, Fahrettin Altun, waren ebenfalls an der Debatte beteiligt. In einer Erklärung auf seinem Twitter-Account unter Verwendung des genannten Hashtags sagte Kalin: "Diejenigen, die die Sprache Allahs dehnen, die Zeit und Ort geschaffen haben, sind in dieser Welt und im Jenseits frustriert. Ali Erbas, der das göttliche Urteil ausdrückte, ist nicht allein."

Fahrettin Altun seinerseits sagte in einem Tweet: "Die Grundpfeiler unserer höchsten Religion, des Islam, der uns und das Jenseits erleuchtet, indem sie den Wert demonstriert, den sie im Universum verdient, sind nicht die Grundpfeiler, die nach dem Willen der taktlosen Angreifer in Frage gestellt werden müssen." In der Zwischenzeit meldete sich ebenso Justizminister Abdülhamit Gül zu Wort und sagte, er verurteile die Aussage der Anwaltschaft. "Ich denke, die von der Anwaltskammer Ankara genannten Punkte sind einer etablierten juristischen Institution nicht angemessen. Ich verurteile die Aussage", sprach Gül. "Die faschistische Erklärung der Anwaltskammer von Ankara zum Vorsitzenden für religiöse Angelegenheiten, Ali Erbas, ist völlig unverschämt, weil er islamische Werte zum Ausdruck bringt", sagte Ömer Celik, der Sprecher der regierenden AKP. Mehrere andere Minister teilten den Hashtag ebenfalls auf ihrem Twitter-Konto.

(ce)

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