afp

Ausnahmezustand landesweit beendet

28.10.2019 14:10 Uhr

Nach den beispiellosen Großkundgebungen der letzten Tage hat der chilenische Präsident Sebastian Pinera die Aufhebung des Ausnahmezustands in allen Regionen angeordnet.

In einigen Städten kam es am Sonntag erneut zu Großkundgebungen mit mehreren Tausend Demonstranten. Piñera sieht sich seit dem 19. Oktober mit beispiellosen sozialen Protesten konfrontiert. Die Demonstranten fordern seinen Rücktritt und eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik der chilenischen Regierung, die sie für die soziale Misere weiter Bevölkerungskreise verantwortlich machen.

Eine Millionen Chilenen auf den Straßen

Am Freitag hatte es in der Hauptstadt Santiago de Chile und mehreren anderen Städten Massenproteste mit mehr als einer Million Teilnehmern gegeben. Die Demonstrationen gehörten zu den größten in der Geschichte Chiles. Entzündet hatten sich die Proteste vor mehr als einer Woche an einer Erhöhung der Preise für U-Bahn-Tickets. Piñeras Regierung reagierte zunächst mit Ausgangssperren und der Verhängung des Ausnahmezustandes in der Hauptstadt Santiago und weiteren Regionen Chiles. Am Samstag ging der Präsident schließlich auf die Protestbewegung zu und kündigte eine komplette Neuaufstellung seines Kabinetts an, um "die neuen Herausforderungen bewältigen zu können".

Mindestens 20 Tote und 600 Verletzte

Im Verlauf der politischen Unruhen wurden mindestens 20 Menschen getötet und fast 600 weitere verletzt. Es gab mehr als 3000 Festnahmen. Eine UN-Sondermission wird voraussichtlich am Montag im Land eintreffen, um Vorwürfen wegen Menschenrechtsverletzungen nachzugehen. Menschenrechtsorganisationen haben in den vergangenen Tagen von zahlreichen Übergriffen durch Sicherheitskräfte berichtet. Nach Angaben des nationalen Instituts für Menschenrechte (INDH) wurden bei der Organisation 88 Anzeigen eingereicht, darunter fünf wegen Mordes und 17 wegen der Anwendung von Folter und sexueller Gewalt.

(be/afp)

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