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Ausblick: Globale Mega-WM 2026

19.9.2019 17:41 Uhr

In sieben Jahren wartet ein ganz besonderes Event auf Fußballfans. Die Weltmeisterschaft wird nie gesehene Dimensionen annehmen und in neuer Form um die Gunst von Zuschauern und Fans auf der ganzen Welt werben.

Doch was genau verändert sich, welche Ziele verfolgt die FIFA damit und welche sportkulturelle Bedeutung haben diese Veränderungen? Wir geben einen Ausblick auf das kommende Mega-Turnier.

Die anstehenden Fußball-Weltmeisterschaften werden sicherlich große mediale Events, die mit einer gewissen Bedeutungsschwere daher kommen. Im Jahr 2022 wird zuerst einmal die nächste WM in Katar über die Bühne gehen. Dank wiederholter Kritik an Arbeitsbedingungen und dem Skandal um die Vergabe des Gastgeberlandes, zusätzlich zur erstmaligen Durchführung eines FIFA-Turniers im Winter, bleibt es spannend abzuwarten, ob alles positiv verläuft.

Diese Herausforderung muss der Weltverband erst einmal meistern – mit einem glimpflichen Verlauf kann die FIFA beweisen, dass sie selbst große Aufgaben unter schwierigen Bedingungen bewältigen kann. Denn weniger als vier Jahre danach steht die nächste Aufgabe an: Die Weltmeisterschaft 2026 wird eine nie dagewesene Problemstellung für die Organisatoren bedeuten.

Die Besonderheiten der WM 2026: Zahlen und Daten

Was macht das Turnier, das erst in einigen Jahren stattfinden wird, schon jetzt zu einem großen Gesprächsthema? Jede WM ist doch ohnehin eine große, komplexe Veranstaltung, die von der ganzen Welt mitverfolgt wird.

Doch 2026 kommt so einiges auf uns zu. Zuerst einmal findet das Turnier in Nordamerika statt – Kanada, die USA und Mexiko teilen sich die Austragung. Es ist zwar bei Weitem nicht das erste Mal, dass sich mehrere Nationen gemeinsam als Ausrichter bewerben – 2002 machten Südkorea und Japan gemeinsame Sache, bei der Europameisterschaft gab es schon mehrere Kollaborationen – doch die schieren Entfernungen sind beispiellos.

Unter dem Banner "United 2026" haben sich die drei Nationen zusammengetan, um WM auszurichten. Die 16 Spielstätten sind zwar noch nicht endgültig ausgewählt, im Höchstfall könnten sie jedoch gut 4.000 Kilometer voneinander entfernt liegen – das ist die Distanz zwischen Edmonton und Mexiko City, die beide zur Auswahl stehen. Ähnlich weit liegen Montreal und San Francisco auseinander.

Die großen Entfernungen, die die Produktion des Turniers vor große Herausforderungen stellen werden, sind jedoch noch nicht alles. Der größte Grund, warum das Turnier jetzt schon in aller Munde ist, ist die Zahl der teilnehmenden Mannschaften.

Sportturniere verändern sich im Laufe der Jahre – da sich die Umstände und die Kultur um den Sport entwickeln, müssen auch die Organisatoren mit der Zeit gehen. Anhand der Entwicklung des DFB-Pokals lässt sich über die Jahre gut betrachten, wie Format und Regelwerke von Turnieren den Umständen entsprechend angepasst werden.

Die FIFA hat in ähnlicher Manier nun beschlossen, die Summe der an der Endrunde teilnehmenden Nationen von den bisherigen 32 auf 48 Mannschaften zu erhöhen. Damit dies im Rahmen des Turniers umsetzbar ist, wurden einige zusätzliche Veränderungen nötig.

Das größere Teilnehmerfeld und die damit einhergehenden Neuerungen bedeuten einen zusätzlichen Organisationsaufwand, der gemeinsam mit den großen räumlichen Abständen bewältigt werden muss. Die ausrichtenden Nationen und die FIFA müssen sich also gemeinsam beweisen.

Im Detail: Das neue Turniersystem der WM

Der Schritt, ab der WM 2026 16 weitere Nationen in der Endrunde teilnehmen zu lassen, ist schon seit längerer Zeit im Gespräch. Die FIFA hatte bereits für die WM im Katar Pläne diskutiert, die Veranstaltung im Jahr 2022 zur ersten Riesen-WM zu machen. Dies kam jedoch nicht zustande und wurde im Mai diesen Jahres offiziell abgesagt.

Doch mit der darauffolgenden WM in Amerika wird der Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino nun in die Tat umgesetzt. Damit die zusätzlichen Mannschaften einen Platz im Vorrunden-System haben und der Umfang des Turniers nicht den Rahmen sprengt, mussten einige Änderungen beschlossen werden.

Bisher traten 32 Mannschaften in acht Gruppen gegeneinander an, um zu entscheiden, wer ins Achtelfinale einziehen wird. Um sich an die nun größere Zahl anzupassen, wurde die Anzahl der Gruppen auf 16 verdoppelt, pro Gruppe treten nun nur noch drei Nationen gegeneinander an.

Video: Heinz Hammer / YouTube.com

So bleibt die Zahl der Spiele wie bisher auf 48, bevor das Turnier die KO-Runde startet. Doch in der zweiten, heißen Phase gibt es weitere Unterschiede: Es gibt nun vor dem traditionellen Achtelfinale eine sechzehntel-Runde mit 32 Teilnehmern – pro Gruppe wird also nur eine Mannschaft aus dem Turnier fliegen.

Dadurch steigt die Gesamtzahl der Spiele über die WM auf insgesamt 80 anstatt wie bisher nur 64 – es gibt also wesentlich mehr internationalen Fußball zu bestaunen. Für die Fans bestimmter Nationen jedoch nicht sonderlich erfreulich – die Anzahl der Begegnungen, die eine Mannschaft maximal spielen kann (erstes Gruppenspiel bis Finale) bleibt konstant bei sieben. Für die Kondition der Spieler ist das wiederum wichtig.

Die Vorteile eines breiteren Teilnehmerfeldes

Damit sehen wir also 16 weitere Mannschaften, die sich auf internationaler Bühne präsentieren können. Das bringt mehr Potential für überraschende Leistungen von Underdogs und, bei entsprechender Setzung, eine geringere Wahrscheinlichkeit für Todesgruppen, in denen gezwungenermaßen ein oder zwei Favoriten schon vor der KO-Runde ausscheiden müssen.

Dadurch, dass jede Mannschaft in der Gruppenphase nur noch zwei Spiele bestreiten muss, fallen diese mehr ins Gewicht. Ein Ausrutscher im Auftaktspiel muss dann im zweiten Anlauf gezwungenermaßen wiedergutgemacht werden. Jedem einzelnen Spiel kommt also eine größere Bedeutung zu.

Außerdem bringt die längere Finalphase mehr spannende KO-Spiele, in denen es um alles geht. Für Fans, die gerne verbissene Spiele sehen, in denen alle 22 Mann auf dem Platz wirklich alles geben, ist das eine positive Entwicklung.

Auch für Nationen, die es im alten System nicht über die Gruppenphase hinausgeschafft hätten, gibt es nun die Möglichkeit, als Turniermannschaft über sich hinaus zu wachsen und im Verlauf die Leistung konstant zu steigern.

Kritik am neuen System

Doch die angekündigte Vergrößerung der WM und die Implementierung des neuen Systems wird nicht nur positiv aufgenommen. Es gibt natürlich – wie immer – auch kritische Stimmen, die Zweifel daran äußern, dass das ausgeweitete Turniersystem eine gute Idee ist.

Das Hauptargument ist sportlicher Natur: Dadurch, dass eine große Zahl an Teams hinzukommen, die bisher im Voraus aussortiert würden, könnte die durchschnittliche Qualität der Partien sinken. Da es bei einer Weltmeisterschaft darum geht, den bestmöglichen internationalen Fußball zu sehen, seien diese zusätzlichen Spiele aller Wahrscheinlichkeit nach eher abträglich.

Die größere Anzahl an Begegnungen über die Turnierdauer hinweg macht es außerdem so gut wie unmöglich, alle Spiele zu verfolgen. Bereits bei den aktuellen 64 Matches war dies eine zeitintensive Aufgabe für Enthusiasten. Zuschauer könnten nun überfordert werden.

Außerdem ist es durch die größere Streuung von Favoriten durchaus möglich, dass schwächere Mannschaften es in die KO-Phase schaffen, wodurch große Unterschiede im Sechzehntelfinale entstehen können – je nach Losglück kann eine Mannschaft eine schwierige oder extrem leichte Aufgabe für den Einzug ins Achtelfinale haben.

Über sportliche Aspekte hinaus besteht nun ebenfalls das Problem, dass durch die größeren Dimensionen des Turniers die Ausrichter vor noch größeren Aufgaben stehen, als es ohnehin bereits der Fall war. Für kleinere Nationen wird eine erfolgreiche Durchführung noch schwieriger, was sich vermutlich auch auf das Auswahlverfahren in der Zukunft auswirken wird.

Bildquelle: Mario Klassen / unsplash.com

Bedeutung für die Rezeption der Weltmeisterschaft 2026

Dadurch, dass mehr Nationen an der Endrunde teilnehmen werden, zeigt sich ein internationaleres Teilnehmerfeld. Dadurch werden in den betroffenen Ländern die Fans endlich ihre eigenen Mannschaften verfolgen können. Gleichzeitig haben die Mannschaften die Chance, ihr Talent zu präsentieren.

Eine WM, die größeren Wert auf internationale Repräsentation legt, ist eine zeitgemäße Institution für einen Weltsport. Die Globalisierung schreitet stets voran und ein weltweit gefeierter Sport, wie es der Fußball alleine nun mal ist, sollte diese Entwicklungen auch reflektieren.

Glorreichen, überraschenden Auftritten, wie dem von Island während der EM 2016 in Frankreich, wird somit mehr Platz geboten. Diese sind nämlich nicht unbedingt auf reine sportliche Leistungen zurückzuführen – die begeisterte Fankultur, die von den Isländern in französischen Stadien gezeigt wurde, spielte diesbezüglich eine viel größere Rolle.

Auch politisch hat eine enge Zusammenarbeit der Ausrichterstaaten – das Motto der Bewerbung war "United As One" – große Bedeutungen, wenn man die Entwicklungen zwischen Mexiko und den USA der letzten Jahre Betracht zieht.

(Hürriyet.de)

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