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Arsenals Coach Emery vom Thema Özil genervt

27.1.2019 14:52 Uhr

Würde der FC Arsenal eine bombastische Saison spielen, der Trainer Unai Emery hätte sicher leichte Hand, wenn er Spieler wie Mesut Özil aussortiert. Wer aber 16 Punkte hinter dem Tabellenführer FC Liverpool zurückliegt, der sollte sich auch als Trainer hinterfragen, ob all seine Entscheidungen so richtig sind. Da wird es sicher zunehmend schwerer für den Coach zu erklären, warum er seinen Top-Spieler mehr als 60 Minuten auf der Bank schmoren lässt.

Die Fragen nach Mesut Özil und seiner Zukunft kann Arsenal-Trainer Unai Emery schon nicht mehr hören. Gereizt sagte der Coach nach dem Pokal-Aus der Londoner gegen Manchester United (1:3) nur kurz und knapp: "Er hat gespielt." Warum der deutsche Mittelfeldstar erst nach einer Stunde eingewechselt wurde und nicht in der Startelf stand? "Weil ich denke, dass ich auch andere Spieler einsetzen kann." Das saß.

Ist das Tischtuch zwischen Emery und Özil zerschnitten?

Ob verletzungsbedingt, aus taktischen Gründen oder weil das Spiel "zu körperlich" sei - Emery fand in den vergangenen Wochen meistens einen Grund, den 30-Jährigen nicht einzusetzen. Etwas Interpretationsspielraum war stets dabei, weil Emery sich mit der englischen Sprache bisher schwertat. Doch die karge Antwort nach dem Pokal-Aus war ziemlich eindeutig. Er setzt nicht mehr auf Özil.

Dabei hatte es zu Saisonbeginn zunächst noch so ausgesehen, als könne Özil nach dem turbulenten Jahr unter Emery neu durchstarten. Der Spanier kündigte Unterstützung an und gab Özil zwischenzeitlich sogar die Kapitänsbinde. Doch mittlerweile ist es rund drei Monate her, dass er für sportliche Schlagzeilen sorgte - mit einem starken Auftritt beim 3:1-Sieg gegen Leicester City.

Mesut Özil sitzt mit seinem langfristigen Vertrag als Topverdiener am längeren Hebel

Vor einem Jahr hatte Özil seinen Vertrag in London noch bis 2021 verlängert und war zum Rekordverdiener bei Arsenal aufgestiegen. Über ein ernsthaftes Interesse von anderen Klubs war damals nichts bekannt. Trotzdem verkündeten die Gunners stolz: "Wir haben Özil. Und er geht nirgendwo hin." Die Zeitung "Telegraph" nannte es "ein absurdes Verständnis von Dankbarkeit" und unterstellte, es sei nicht so sehr eine sportliche Entscheidung gewesen. Dem FC Arsenal, der früher oft Spieler an andere Vereine verloren hatte, weil er die Gehaltsforderungen nicht akzeptieren wollte, sei es vor allem ums Prinzip gegangen.

Die drei Verantwortlichen für den Deal - der damalige Trainer Arsène Wenger, Vorstandschef Ivan Gazidis und Chefscout Sven Mislintat - haben Arsenal inzwischen verlassen. Und im Verein dürfte so manchen das Gefühl beschleichen, man hätte die Trainerfrage vielleicht besser vorher geklärt - und was Wengers Nachfolger von Özil hält.

Die Zeichen stehen auf Abschied, selbst wenn Özil-Berater Erkut Sögüt bekräftigt, der Mittelfeldspieler wolle seinen Vertrag bei den Gunners erfüllen und vielleicht sogar verlängern. Ein angebliches Tauschgeschäft mit Inter Mailands Ivan Perisic, über das in einigen Medien spekuliert wird, ist bisher nur ein Gerücht. Aber wenn Emery und Özil nicht zueinander finden, wird Arsenal seinen Topverdiener spätestens im Sommer von der Gehaltsliste streichen wollen.

(ce/dpa)