Hürriyet

Ankara bezeichnet syrische Anerkennung von Völkermord an Armeniern als "Heuchelei"

14.2.2020 20:56 Uhr

Nach der Entscheidung des syrischen Parlaments, die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als "Völkermord" einzustufen, hat Ankara Damaskus "Heuchelei" vorgeworfen.

Die Anerkennung sei die Heuchelei "eines Regimes, das über Jahre hinweg jede Art von Massaker an seinem eigenen Volk verübt hat", erklärte das türkische Außenministerium am Donnerstag. Die Entscheidung in Syrien erfolgte inmitten der ohnehin angespannten Situation zwischen Damaskus und Ankara in der syrischen Provinz Idlib.

"Die unbegründeten Anschuldigungen, die von einem tyrannischen Regime erhoben wurden, das seine Legitimität verloren hat, sind ein klarer Hinweis auf eine verzerrte Denkweise", hieß es in der Erklärung des türkischen Außenministeriums weiter. In einer am Donnerstag verabschiedeten Resolution hatte das syrische Parlament den "Genozid an den Armeniern durch das Osmanische Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts" verurteilt und anerkannt.

Schätzungen zufolge wurden zwischen 1915 und 1917 im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs erkennt zwar an, dass in den Wirren des Ersten Weltkriegs bei Kämpfen sowie durch Hunger und Seuchen 300.000 bis 500.000 Armenier ums Leben gekommen seien. Doch bestreitet sie einen Völkermord an der christlichen Minderheit.

Konflikt spitzt sich zu

Im nordsyrischen Idlib spitzt sich derzeit die militärische Konfrontation zwischen der türkischen Armee und den von Russland unterstützten syrischen Streitkräften zu. Nach tödlichen Angriffen auf türkische Stellungen in Idlib drohte Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch mit Angriffen "überall" im Land, sollten die türkischen Soldaten erneut unter Beschuss geraten.

Syrische Regierungstruppen führen mit russischer Unterstützung seit Dezember eine Offensive gegen die letzte Bastion der überwiegend islamistischen und dschihadistischen Milizen, die von der Türkei unterstützt werden. Zwischen Moskau und Ankara gibt es eine Waffenstillstandsvereinbarung für Idlib, die aber nicht eingehalten wird.

(be/afp)

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