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Angespülte Garfield-Telefone - Rätsel gelöst

29.3.2019 18:32 Uhr

Seit Jahrzehnten werden an einem Strand in der Bretagne quietsch-orange Garfield-Telefone angespült. Jetzt weiß man endlich, woher sie kommen. Denn Umweltschützer des Vereins Viltansou entdeckten nach langer Suche in einer Grotte nahe der äußersten Westspitze Frankreichs einen Container mit den Plastiktelefonen.

Jahrelang hatte das Team versucht herauszufinden, woher die Garfield-Telefone stammen. "Es war ein Moment der Freude, denn wir fanden endlich die Quelle dieser Verschmutzung, unter der wir seit Jahren leiden", schilderte die Vorsitzende des Vereins, Claire Simonin-Le Meur, der Deutschen Presse-Agentur. Unklar ist hingegen noch, welches Schiff wann genau den Garfield-Container verloren hat. Hergestellt wurden die Festnetzgeräte mit den beweglichen Augenlidern in den 80er Jahren.

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200 Telefone im letzten Jahr

Die orangefarbenen Garfields wurden immer wieder auf einem etwa 24 Kilometer langen Küstenabschnitt zwischen den Gemeinden Plougonvelin und Plouarzel angespült. Allein im vergangenen Jahr sind 200 von ihnen im ganzen Stück oder in Teilen gefunden worden. Schon lange war vermutet worden, dass einst ein Container mit den orangefarbenen Festnetztelefonen ins Meer gefallen ist, der nun nach und nach seinen Inhalt verliert. Die Spalte, in der er nun gefunden wurde, ist nur bei Niedrigwasser zugängig.

Gutgehütetes Geheimnis

Als das Phänomen im Februar 2019 wieder einmal auftrat, halfen Medienberichte dabei, das Rätsel endlich zu lösen. Denn daraufhin meldete sich ein Anwohner beim Verein Viltansoù, der erzählte, den geheimnisvollen Container bereits in den 80er Jahren gesehen zu haben, wie der Sender Franceinfo berichtete. Als etwa 20-Jähriger habe er während eines Sturms lauter Telefone am Strand entdeckt und mit seinem Bruder ihre Spur verfolgt, sagte René Morvan dem Sender. Als die Flut niedrig genug war, wagten die beiden sich in die Klippen - und fanden den Container. Ihr Geheimnis behielten sie für sich - bis jetzt.

Schließlich beschloss das Team vom Umweltschutzverein Viltansoù sich an der vermuteten Stelle auf die Suche zu machen - und fand den Garfield-Schatz. Doch so bizarr die Geschichte der Katzen-Telefone auch ist - ihr Hintergrund ist ernst. "Garfield ist für uns ein Symbol, das es ermöglicht, das Bewusstsein für das Problem der Meeresverschmutzung durch Kunststoffe zu schärfen", mahnt Simonin-Le Meur. Es sei nur ein Container von Tausenden, die im Ozean versunken seien.

Mehr als 500 Container landen pro Jahr im Wasser

Der World Shipping Council schätzt, dass pro Jahr im Schnitt 568 Container ins Meer fallen - Katastrophen wie der Untergang von Schiffen werden dabei allerdings nicht mitgezählt. Rechnet man diese mit ein, liegt die Zahl den Schätzungen des Wirtschaftsverbands zufolge bei knapp 1600. Die Zahl dürfte Umweltschützern zufolge aber durchaus höher sein, da möglicherweise nicht jeder Vorfall gemeldet wird.

Plastikmüll und Vermüllung der Meere sind ein riesiges Problem - und ihre Ursache sind längst nicht nur Container, die ins Meer fallen. Verpackungsmaterialien und Abfälle aus Fischerei und Schifffahrt wie Netzreste haben für Fische, Seevögel und Meeressäuger dramatische Folgen. Die Tiere verheddern sich in alten Netzen oder verwechseln unverdaulichen Müll mit Nahrung.

Mikroplastik auf dem Teller

Zerfällt der Abfall in winzige Mikroplastik-Partikel, kann er über die Nahrungskette auch auf den Tellern der Menschen landen. Mikroplastik gelangt auch beim Waschen ins Meer, denn es kommt in Kleidung und Kosmetikprodukten vor und wird von Klärwerken nicht herausgefiltert. Simonin-Le Meur hofft nun, dass die Geschichte der Garfield-Telefone auch hilft, in den Köpfen der Menschen etwas zu verändern.

(be/dpa)