dha

Angeschossener CHP-Bürgermeister von Yesilova: “Ich habe mit so etwas gerechnet”

21.4.2020 15:00 Uhr

Es ist eine Tat wie aus einem Mafia-Krimi: In der Nacht auf Dienstag wurde der Bürgermeister von Yesilova in der Provinz Burdur, Mümtaz Senel (CHP), mit seiner Frau in seinem Haus von zwei Männern überfallen und angeschossen. Fünfmal wurde dem Bürgermeister in die Beine geschossen, bevor die Täter vom Tator flohen.

Laut Senels Aussage hätten sich zwei Männer als Polizisten ausgegeben und ihn und seine Frau in der Nacht auf Dienstag gegen 4.35 Uhr Ortszeit (3.35 Uhr MESZ) aus dem Haus gelotst. Dort hätten die Männer unverzüglich das Feuer eröffnet und dabei auf die Füße von Senel und seiner Frau gezielt. Danach flohen die Täter. Senel und seine Frau wurden beide in das Krankenhaus von Burdur gebracht, wo sich Mümtaz Senel einem Eingriff unterziehen musste. Beide befinden sich mittlerweile in einem guten Zustand.

Neun Verdächtige festgenommen

Mittlerweile hat die Polizei neun Verdächtige festgenommen. Viele von ihnen sind wegen Vergehen wie Kindesmissbrauchs, Körperverletzung, versuchten Mordes, Bedrohung oder Drogendelikten vorbestraft.

Wie Mümtaz Burdur der Demirören Nachrichtenagentur DHA erzählte, stehe der Überfall in Zusammenhang mit einer entzogenen Hotel-Betriebserlaubnis. Seine Stadtverwaltung habe bereits im Juli letzten Jahres bei einer Inspektion Mängel an einem Hotel festgestellt und daraufhin eine Geldstrafe von 10.000 Lira (rund 1325 Euro) verhängt. Bei einer erneuten Kontrolle Ende März seien erneut Mängel gefunden worden, was eine Entziehung der Betriebserlaubnis für das Hotel nach sich zog.


Geschlossenes Hotel am Salda See (Bild: dha)

"Ich habe mit so etwas gerechnet"

Senel habe daraufhin bereits mit einer Rachetat der Hotelbetreiber gerechnet. "Hier ist es schon oft zu Angriffen oder Schüssen gekommen. Wir haben uns dem aber nie gebeugt." Gemeinsam wolle man dafür sorgen, dass in Yesilova alles seinen geregelten Gang nehme.

Senel freute sich auch über die vielen Genesungswünsche, unter anderem durch den Parteivorsitzenden der CHP, Kemal Kilicdaroglu, und den türkischen Innenminister Süleyman Soylu. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Sicherheitskräften in Burdur, die äußerst schnell reagiert und die Verdächtigen festgenommen hätten.

Berichte über den Salda-See

Zunächst war gemutmaßt worden, dass die Tat etwas mit dem Engagements Senels für den Salda See in seinem Landkreis zu tun haben könnte. Der Salda See war erst in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geraten, nachdem Senel über den Kurznachrichtendienst Twitter Bilder teilte, die zeigten, wie schwere Arbeitsmaschinen auf den feinen weißen Sand des Salda-Sees fuhren.

Der als "die Malediven der Türkei" bekannte Salda-See ist der Mittelpunkt einer Kontroverse, da hier ein "Volksgarten" realisiert werden soll. Naturschützer befürchten, dass durch die Bauarbeiten und den Volksgarten die Natur zerstört werden könnte.

(be)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.