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"Washington Post" - Bericht über Teenager führt zu Millionen-Klage

20.2.2019 21:11 Uhr

Die Eltern eines 16-Jährigen haben die renommierte US-Zeitung "Washington Post" auf Schadenersatz in Höhe von 250 Millionen Doller (rund 220 Millionen Euro) verklagt. Hintergrund war eine Berichterstattung über ihren Sohn, die den Jungen durch mehrere Artikel verleumdet und öffentlicher Diffamierung ausgesetzt haben soll. Der Junge war im Januar in die Schlagzeilen geraten, weil er bei einer Demonstration in Washington mit einem Mann indigener Abstammung "aneinandergeraten" war.

Der Vorfall im Januar am Lincoln Memorial in Washington hatte weltweites Aufsehen erregt: Ein Video zeigte einen weißen Schüler mit "Macht Amerika wieder großartig"-Kappe, der einem Ureinwohner dicht gegenüberstand. Der Teenager wurde von verschiedenen Seiten eines rassistisch motivierten Verhaltens verdächtigt - was er vehement bestritt. Nun hat der 16-Jährige Nicholas Sandmann die "Washington Post" wegen ihrer Bericherstattung auf Schadenersatz verklagt.

"Make America Great Again"

In ihrer am Dienstag bei einem Bundesgericht im Bundesstaat Kentucky eingereichten Klage führten die Anwälte der Familie Sandmann ins Feld, dass der Junge von der Zeitung "zur Zielscheibe gemacht und gemobbt" worden sei, weil er weiß und katholisch sei und die Kappe mit dem Slogan von Präsident Donald Trump getragen habe. Dabei habe sich Sandmann "ruhig und respektvoll" verhalten, als ihm der Ureinwohner gegenüber getreten sei.

Das Blatt habe "grundlegende journalistische Standards" ignoriert, weil es mit der Berichterstattung über den Vorfall seine gegen Trump gerichtete Agenda habe verbreiten wollen, argumentieren die Anwälte. Eine Sprecherin der "Washington Post" sagte, die Zeitung plane eine "energische Verteidigung" gegen die Klage.

Sandmann Angesicht zu Angesicht mit Nathan Philiips

Trump, der Sandmann schon früher in Schutz genommen hatte, reagierte indessen erfreut auf die Klage. "Geh und kriege sie, Nick. Falschnachrichten!", schrieb der Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter unter Verwendung einer Abkürzung für Sandmanns Vornamen. Trump wirft der "Washington Post" sowie einem Großteil der US-Medien immer wieder eine voreingenommene und absichtlich falsche Berichterstattung über seine Präsidentschaft vor.

Das Video über den Vorfall zeigt Sandmann grinsend und schweigend in Angesicht zu Angesicht mit dem älteren Ureinwohner Nathan Phillips. Mitschüler Sandmanns springen unterdessen auf und ab und singen. In den Vorfall am Denkmal für den früheren Präsidenten Abraham Lincoln waren auch Afroamerikaner verwickelt, die zur religiösen Gruppe der Schwarzen Hebräer gehören. Phillips sagte später, er habe sich eingeschaltet, um Spannungen zwischen den Afroamerikanern und den weißen Schülern zu entschärfen.

Verhalten sei "lobenswert" gewesen

Sandmann wiederum sagte in einem Fernsehinterview, weder er noch seine Mitschüler hätten rassistische Parolen gebrüllt. Rassismus werde an seiner katholischen Schule in Covington in Kentucky "nicht geduldet", und keiner seiner Mitschüler sei rassistisch gesonnen.

Die Diözese von Covington und die Covington Catholic High School hatten das Verhalten der Schüler zunächst kritisiert. Später erklärte der dortige Bischof Roger Foys jedoch, eine unabhängige Untersuchung in seinem Auftrag habe ergeben, dass die Schüler den Vorfall nicht provoziert hätten. Ihr Verhalten unter den damaligen "bizarren" bis "bedrohlichen" Umständen lasse sich sogar als "lobenswert" bezeichnen. Die "Washington Post" relativierte ihrerseits ihre ursprüngliche Darstellung des Vorfalls in späteren Berichten.

(sis/afp/dpa)