Hürriyet

"Schule hört zu!" – Eltern kommen mit Vertretern des Hessischen Kultusministeriums zusammen

20.11.2019 9:24 Uhr

Viele Eltern folgten am Samstag der Einladung der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung und Dr. Yasar Bilgin, der Eltern zu einem gemeinsamen Frühstück mit Vertretern des hessischen Kultusministeriums einlud. Zum gemeinsamen Austausch unter dem Motto "Schule hört zu!" stellten sich Staatssekretär Dr. Manuel Lösel, die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts für den Main-Kinzig-Kreis, Susanne Meissner, der Integrationsbeauftragte des Hessischen Kulturministeriums Christopher Textor sowie die Schulleiterin der Schule an der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen, Ingrid Hubing, den Fragen interessierter Eltern aus Offenbach und Umgebung.

In gemütlicher Atmosphäre und bei einem leckeren Frühstück fand man schnell einen gemeinsamen Nenner für den Schlüssel zum Erfolg der Kinder: Die deutsche Sprache. Ohne Sprachkenntnisse gibt es keine Möglichkeit auf eine gute Ausbildung, darin waren sich schnell alle Beteiligten einig.

Doch viele türkische- und türkischstämmige Eltern plagten auch andere Sorgen, die bei dem gemeinsamen Frühstück ein Stück weit geklärt werden konnten.

Staatssekretär Dr. Manuel Lösel

Muttersprachlicher Unterricht nur eine Marginalie?

Dass gutes und richtiges Deutsch für eine gelungene Ausbildung unabdingbar ist, war schnell klar. Doch viele der Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in der Schule auch die Muttersprache lernen und das nicht nur in AGs am Nachmittag. Mancherorts ist dies aufgrund der hohen Nachfrage auch durchaus üblich - meist jedoch sind es nur wenige Kinder, die sich für den muttersprachlichen Unterricht eintragen lassen.

Der Vorsitzende des Landesausländerbeirates, Enes Gülegen, trug seine Sorge vor, dass der muttersprachliche Unterricht keinerlei Einfluss auf die Note habe und nicht im Regelunterricht Platz findet und deshalb immer weiter an Wert verlieren würde. Zudem sei die Schule erst der Ort "an dem unsere Kinder zu Ausländern gemacht werden. In der Schule lässt man sie spüren, dass sie fremd sind, anders sind."

Der stete Kampf gegen Vorurteile

Fast jedes türkische Elternteil kann mindestens ein Erlebnis ihrer Kinder aufzählen, bei welchem es aufgrund seiner Herkunft benachteiligt oder herabgesetzt wurde. Eine Mutter äußerte sich: "Wenn es um Politik geht, wird die Türkei [und Erdogan] als Beispiel gebracht. Wenn es um die Wirtschaft geht, wird die türkische Wirtschaft als abschreckendes Beispiel genommen, wenn es um Religion geht, wird meine Religion angegriffen. Die Lehrer müssen die Herkunftsländer ihrer Kinder respektieren. Wir wünschen uns, dass Rassismus und die ethnischen Unterschiede der Kinder keine Rolle mehr spielen. Es kann nicht sein, dass ein Lehrer offen sagt 'Ich will keine Erdogans erziehen". Wir erziehen unsere Kinder zuhause, wir erziehen unsere Kinder gemeinsam mit Ihnen [den Lehrern], wir wollen nicht immer wieder unsere Kinder aufbauen müssen, nachdem sie von der Schule nach Hause kommen."

Ein Plädoyer für die Lehrer

Staatssekretär Dr. Manuel Lösel und auch Schulleiterin Ingrid Hubing, zeigten sich erschüttert über solche Aussagen einiger unbedachter Lehrer – und ermutigte die Eltern, sich bei einem solchen Verhalten zu beschweren. Sei es beim Schulleiter oder, wenn nötig, bis in die obersten Instanzen im Kultusministerium. Dabei brach Dr. Lösel allerdings auch eine Lanze für die Lehrer. Natürlich gebe es bei der Masse von Lehrern – rund 60.000 alleine in Hessen – auch Personen, die ihre politischen Meinungen nicht verbergen können. Doch ein Großteil gebe alles, um ihre Kinder gleich zu behandeln und jedem zu helfen.

"Für unsere Kinder Hand in Hand"

Auch wenn es in der Fragerunde teilsl emotionaler wurde, war das Frühstück unter der Leitung von Dr. Yasar Bilgin jederzeit von Respekt und Freundlichkeit geprägt. Am Ende waren sich alle einig: Unsere Kinder können wir nur gemeinsam erziehen, Hand in Hand und gemeinsam. Denn wenn Lehrer und Schüler gemeinsam handeln, dann finden die Kinder die Unterstützung, die sie für eine erfolgreiche Ausbildung benötigen.

(v.l.n.r.) Dr. Yasar Bilgin, Dr. Manuel Lösel, Susanne Meissner und Christopher Textor
(Berna Ehrhardt)

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