epa/Robert Perry

"Marsch für Unabhängigkeit"

3.11.2019 14:30 Uhr

Tausende Schotten haben in Glasgow für eine Unabhängigkeit von Großbritannien demonstriert. An dem «Marsch für die Unabhängigkeit» beteiligten sich am Samstag nach Angaben der Veranstalter etwa 20 000 Menschen, viele schwenkten schottische Fahnen. Erstmals seit fünf Jahren trat Regierungschefin Nicola Sturgeon bei einer solchen Kundgebung auf.

Sturgeon warnte, ein Sieg der Konservativen Partei des britischen Premierministers Boris Johnson bei der Parlamentswahl am 12. Dezember bedeute, dass «Schottland gegen seinen Willen aus der europäischen Staatenfamilie gerissen wird». «Die viel bessere Alternative ist, die Zukunft in unsere eigenen Hände zu nehmen und ein unabhängiges Land zu werden», rief Sturgeon. Am Rande der Veranstaltung demonstrierten einige Menschen mit britischen Fahnen für einen Verbleib im Vereinigten Königreich.

Bereits am Vormittag hatte Sturgeon einen Beitrag auf der Internetseite ihrer Scottish National Party (SNP) veröffentlicht. Darin betonte sie: «Ein unabhängiges Schottland ist so nah wie nie zuvor. Es ist wirklich in Reichweite.» Sie hatte am Freitag angekündigt, noch vor Weihnachten in London ein neues Unabhängigkeitsreferendum zu beantragen.

"Ich möchte keine (Abstimmung) haben"

Premierminister Johnson lehnte eine neue Abstimmung ab. «Wir hatten 2014 ein Referendum. 2014 wurde den Briten, wurde den Schotten gesagt, dass dies eine einmalige Sache ist», sagte Johnson in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender Sky. «Ich möchte keine (Abstimmung) haben.»

In einem ersten Unabhängigkeitsreferendum 2014 hatten 55 Prozent der Schotten gegen eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich gestimmt. Bei der Brexit-Abstimmung 2016 sprach sich aber eine deutlichere Mehrheit der Schotten (62 Prozent) für einen Verbleib in der EU aus. Daraufhin wurden Rufe nach einem neuen Unabhängigkeitsvotum laut. Dafür ist aber die Zustimmung der Regierung in London notwendig.

Labour-Chef Jeremy Corbyn wies Aussagen Sturgeons zurück, wonach seine Sozialdemokraten im Falle eines Wahlsieges einem schottischen Referendum nicht im Wege stehen würden. Eine Volksabstimmung sei «weder notwendig noch wünschenswert», sagte er. Corbyns Parteikollegin Rebecca Long-Bailey deutete indes an, dass eine Labour-Regierung einer Abstimmung 2021 nicht im Wege stehen werde.

(an/dpa)

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