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"Geschwindigkeitsmesser" für die Ohren: WHO will sich gegen zu laute Musik bei Smartphones & Co. einsetzen

12.2.2019 15:54 Uhr

Neue Richtlinien für Smartphones und MP3-Player sollen vor allem junge Menschen vor Hörschäden durch zu laute Musik schützen. Mit einer Art "Geschwindigkeitsmesser" will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dagegen vorgehen.

Nach WHO-Angaben laufen weltweit rund 50 Prozent der 12- bis 35-Jährigen - also etwa 1,1 Milliarden Menschen - wegen der exzessiven Beschallung langfristig Gefahr, Hörverluste zu erleiden. Dies seien eindeutig zu viele, da sich solche Schäden vermeiden ließen, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Infomeldung bei zu lauter Musik

Die in Zusammenarbeit mit der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) entwickelten nicht-bindenden Richtlinien empfehlen unter anderem allen Herstellern von Smartphones und anderen Musikabspielgeräten den Einbau eines Systems, das Lautstärke und Länge der Musik misst und ihre Nutzer warnt, wenn ihr Hörvermögen gefährdet ist.

"Bisher können wir uns bei der Lautstärke nur auf unseren Instinkt verlassen", sagte die zuständige WHO-Ärztin Shelly Chadha vor Journalisten in Genf. Dies sei mit einer Fahrt auf der Autobahn "ohne Tacho und Geschwindigkeitsbegrenzung" vergleichbar. Ihre Organisation schlage nun eine Art "Geschwindigkeitsmesser" für Smartphones vor, der den Nutzer informiert, wenn die Grenze für gefahrloses Hören überschritten sei.

34 Millionen Kinder mit Hörverlust

Zu den weiteren Vorschläge der WHO zählen Möglichkeiten der Eltern, die Lautstärke auf den Abspielgeräten ihrer Kinder zu kontrollieren, oder ein System, das die Lautstärke automatisch drosselt.

Derzeit leiden rund fünf Prozent der Weltbevölkerung, darunter 34 Millionen Kinder, unter Hörverlust. Wie hoch der Anteil ist, deren Gehör durch zu lautes Musikhören geschädigt wurde, kann die WHO allerdings nicht sagen.

(sis/afp)