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"Gelbwesten" demonstrieren gegen Polizeigewalt in Paris

2.2.2019 15:51 Uhr

Am Samstag haben die "Gelbwesten" mal nicht für ihre üblichen Forderungen, sondern gegen Polizeigewalt protestiert. Denn die dürfen bei Protesten offiziell Gummigeschosse nutzen.

Mehrere hundert Anhänger der Protestbewegung kamen im Osten der französischen Hauptstadt zusammen, um bei einem "großen Marsch der Verletzten" gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Auf einem Spruchband forderten die Teilnehmer, den Einsatz von Gummigeschossen und Schockgranaten durch die Polizei bei Zusammenstößen am Rande der "Gelbwesten"-Proteste zu verbieten.

Anführer Jerome Rodrigues am Auge verletzt

Der vergangene Woche während einer Demonstration schwer am Auge verletzte "Gelbwesten"-Anführer Jerome Rodrigues wurde mit Applaus begrüßt, als er zu der Kundgebung erschien. Um ihre Solidarität mit Rodrigues und den mehr als 1900 Verletzten seit Beginn der Proteste im November zu verdeutlichen, hatten sich mehrere Teilnehmer einen Verband um ein Auge gelegt.

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner hatte am Freitag den Einsatz der Gummigeschosse gegen "Randalierer" erneut verteidigt. Zugleich kündigte er an, "Missbräuche" zu ahnden. Der Pariser Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht hatte die Verwendung der Hartgummi-Munition am Freitag unter Verweis auf die Gewalt bei den Protesten erlaubt.

Hauptkundgebung in Valence

Die Hauptkundgebung am zwölften landesweiten Protesttag ist in Valence im Südosten des Landes geplant. Dort werden tausende Menschen erwartet. In der Innenstadt galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen. Manche Besitzer hatten ihre Läden mit Holzlatten verbarrikadiert.

Weitere Demonstrationen sind in Bordeaux, Toulouse, Nancy, Caen und Nantes vorgesehen. In Toulouse wurde eine Ermittlung wegen eines Videos eingeleitet, in dem Polizisten fordern, auf die Demonstranten "zu schießen". Im Hafen von Marseille wollen die Aktivisten eine "Mauer der Schande" zur Erinnerung an die insgesamt 14 Toten im Zusammenhang mit den Protesten aufbauen. Elf davon waren in Frankreich und drei in Belgien ums Leben gekommen.

Die "Gelbwesten" fordern den Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron und eine Stärkung der Kaufkraft der Franzosen. Am vergangenen Wochenende hatten sich landesweit nach Regierungsangaben 69.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt.

(be/afp)