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"Dieser Antisemitsmusstreit ist beschämend"

4.6.2019 20:06 Uhr

Der Antisemitismus in den eignen Reihen gefährde nach den Worten des früheren Vorsitzenden Tony Blair die Zukunft der britischen Labour-Partei. „Dieser Antisemitismus-Streit ist beschämend“, sagte Blair bei einer Veranstaltung in Israel. Wenn man ihm während seiner Zeit als Premierminister (1997 - 2007) erzählt hätte, „dass die Partei, die ich 13 Jahre lang geführt habe, einmal ein Antisemitismusproblem haben würde, hätte ich es nicht geglaubt“, sagte Blair.

Doch leider sei dies heute die Realität. Antisemitismus müsse konsequent beseitigt werden, denn es sei „Gift für die ganze Gesellschaft“.

„Für die Labour-Partei ist dies eine Riesenherausforderung“, sagte Blair bei der Veranstaltung in der Bar-Ilan-Universität der Nähe von Tel Aviv am Montagabend. „Sie muss den Antisemitismus besiegen, und wenn sie es nicht tut, wird es die Labour-Partei in Gefahr bringen.“

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Jeremy Corbyn

Gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn und seine Partei werden seit Jahren Antisemitismus-Vorwürfe erhoben. Im vergangenen Sommer räumte er öffentlich in einem Video ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien. Kritiker werfen dem 70-Jährigen eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor.

Auf die Frage, ob er Corbyn für einen Antisemiten halte, sagte Blair: „Einige Bemerkungen lassen sich nicht anders erklären.“ Corbyn selbst glaube allerdings „überhaupt nicht, dass er es ist“.

Blair sagte, es gebe weltweit falsche Vorstellungen über Zionismus und Israel. „Es ist dringend notwendig, einer neuen Generation junger Leute zu erklären, was Zionismus ist“, sagte der frühere Nahost-Gesandte, der sich mit einer Stiftung weiter für eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern einsetzt. Man könne zwar die Politik der israelischen Regierung kritisieren, aber die Existenz Israels dürfe nicht infrage gestellt werden.

(an/dpa)