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​Wenn eine Social Media Kampagne daneben geht - #FreeInHijab

5.1.2019 11:03 Uhr, von Chris Ehrhardt

Er war als Hashtag gedacht, der die Entscheidungen von Frauen feiern sollte, das Kopftuch zu tragen. Aber stattdessen wurde der Hashtag #FreeInHijab zu einem Instrument für diejenigen, die ihrer freien Entscheidungen beraubt wurden, ob sie das Kopftuch tragen oder nicht. So werden nun statt Feier-Tweets Unterdrückungsgeschichten mitgeteilt, die teils schockieren.

Manche Hashtags nehmen einen atemberaubenden Spin. Beim Hashtag #FreeInHijab kann man aber eher von einer ironischen Wendung der Ereignisse sprechen. Das Ganze angesichts der Tatsache, dass der Hashtag und der World Hijab Day von einer Organisation ins Leben gerufen wurde, um die Idee voranzutreiben, dass das Tragen vom Hijab eben nichts mit Unterdrückung zu tun hat. Das ging massiv nach hinten los.

Ab Ende Dezember 2018 war der Hashtag #FreeInHijab anfangs voll mit lächelnden Frauen im Hijab, die mit positiven Anekdoten darüber berichteten, wie wunderbar das Kopftuch doch ihr Leben gemacht hat. Langsam aber sicher, wurde der Hashtag aber gehijackt und das mit wirklich düsteren, dunklen, traurigen und schockierenden Geschichten von Frauen, die nicht wählen konnten oder können, tragen sie Kopftuch oder nicht.

Wenn ein Hashtag "umgedreht" wird

Es dauerte also nicht wirklich lange, bis Frauen in vollen Niqabs (Vollverschleierung) mit Geschichten von Entsetzen und Verzweiflung den Hashtag #FreeInHijab für sich beanspruchten. Sie erzählen von Gewalt, Gefangenschaft und sogar dem Tod, wenn sie ihre "Tracht" entfernen. Realitäten, die die ersten Bejubler des Hashtags nicht kennen oder die vielleicht sogar wider besseres Wissen vorgeben wollen, derartig düstere Geschichten existieren gar nicht. Wie man es dreht und wendet, der Hashtag ging für die Initiatoren nach hinten los – und das eigentlich sogar mit Ansage, denn es war damit zu rechnen, wenn man nicht neu in den Social Media ist.

In Anbetracht des Aufstiegs der salafistischen Ideologie, die im letzten halben Jahrhundert über Saudi-Arabien verbreitet wurde, drängt damit eine Ideologie den Frauen ein Weltbild auf, das sowohl der Realität als auch der Zivilisationsprozesse entgegensteht. Der beste Weg zur Förderung des Hijab wäre wohl die Entscheidungsfreiheit, bei der alle Frauen auf der ganzen Welt diese Entscheidung frei treffen können.