Hürriyet Daily News

​Vermisster türkischer Professor in Kolumbien tot aufgefunden

28.12.2018 14:02 Uhr

Prof. Dr. Ramazan Gencay ist in Medellin, Kolumbien tot aufgefunden worden. Der türkische Akademiker hielt sich seit Ende November im Land auf, um dort mehrere Seminare am Zentrum für Wirtschafts- und Finanzforschung der EAFIT-Universität in Medellin zu besuchen.

Kolumbianische Behörden äußerten den Verdacht, dass Gencay ein Getränk oder Essen mit Scopolamin zu sich genommen haben könnte – eine Droge, die sich bei Dieben in Kolumbien größter Beliebtheit erfreut, da die Opfer "willenlos" werden. Sein Tod wurde von seiner Ehefrau Carole über die Social Media bestätigt.

Was ist Scopolamin?

Der Wirkstoff Scopolamin ist in diversen Nachtschattengewächsen enthalten. Dazu zählen die Alraune, der Stechapfel und ganz besonders die sogenannten "Engelstrompeten", die Brugmansia. Scopolamin wurde früher in unterschiedlichen Bereichen therapeutisch eingesetzt, verfügt aber über eine hohe Zahl an Nebenwirkungen. Das kann so weit gehen, dass es zu einer tiefen Bewusstlosigkeit und über eine Atemlähmung zum Tode führt.

In Lateinamerika wird Scopolamin, wo es auch als "Burundanga" bekannt ist, von Diebesbanden genutzt, um die Opfer "unter Drogen zu setzen und willenlos zu machen". Das perfide Element am Scopolamin ist, dass man es weder riechen, noch schmecken kann. Dadurch lässt es sich Speisen, Getränken und auch Zigaretten beifügen, ohne dass das spätere Opfer es bemerkt. Männliche Opfer werden nach dem Konsum in den Bars zum Beispiel von Bogota ausgeraubt, weibliche Opfer werden nach Einnahme gruppenvergewaltigt.

Auffindelage des Professors deutet auf Scopolamin hin

Nach lokalen Berichten in Kolumbien, die sich auf forensische und polizeiliche Quellen stützen, wird vermutet, dass Gencay ein Getränk oder Essen mit Scopolamin erhalten haben könnte, um ihn nach dem Konsum auszurauben.

Professor Gencay ist seit dem 28. November in Kolumbien gewesen, um im Land an Seminaren der EAFIT-Universität in Medellin teilzunehmen. Das letzte Lebenszeichen von Gencay gab es am 06. Dezember gegen 22.30 Uhr Ortszeit. Er war in Begleitung einer Gruppe bisher unbekannter Personen und besuchte einen Salsa Club in Medellin. Einer der typischen Orte, wo alleinreisenden Raubopfern Scopolamin verabreicht wird.

Die persönliche Habe des Professors wurde unangetastet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Es soll jedoch Geldbewegungen mit seiner Kreditkarte gegeben haben, die am 07. und am 08. Dezember stattfanden. Nach dem Verschwinden hatte seine Ehefrau auf Facebook einen Beitrag geschrieben und darin erklärt, ihr Mann sei auf seine Medikation angewiesen.

Professor Gencay war kanadischer Staatsbürger und arbeitete als Wirtschaftsprofessor an der Simon Fraser University. Im Jahr 2000 hatte er den Young Scientist Award der türkischen Akademie der Wissenschaften gewonnen.

(ce/Hürriyet Daily News)