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​Sexfreies Leben für Männer ein Gesundheitsrisiko

10.3.2019 22:16 Uhr, von Christian Ehrhardt

Die meisten Männer auf der Welt werden es schon erlebt haben: Ein gewisser Zeitraum der sexuellen Abstinenz. Das kann auf der einen Seite freiwillig, auf der anderen Seite auch einmal unfreiwillig sein. Weil zum Bespiel der passende Partner fehlt. Doch verändert sich der Körper, der Geist oder die Psyche, wenn dem Körper sexueller Kontakt entzogen wird? Und wenn es Veränderungen gibt, wirken die sich auch gesundheitlich aus, entstehen dadurch Risiken?

Ja, der Körper verändert sich durch sexuelle Abstinenz und es entstehen tatsächlich gewisse Risiken, wenn man abstinent lebt. So ist es beispielsweise durch Studien erwiesen, dass die fehlende Durchblutung des Penis eines Mannes dazu führt, dass die Schwellkörper verkümmern, sich quasi zurückbilden. Durch Abstinenz kann es demnach passieren, dass der Penis an Größe – Länge und Umfang – abnimmt.

Männer haben ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko durch Abstinenz

Der gewollte oder ungewollte Sexentzug hat unmittelbare Wirkung auf die männliche Prostata. Eine regelmäßige Ejakulation sorgt dafür, dass das Risiko von Prostatakrebs signifikant abnimmt. So erleben Männer, die im Monat mehr als 20 Ejakulationen aufweisen, ein um ein Drittel reduziertes Risiko, dass sie an Prostatakrebs erkranken. Verglichen wurde diese Gruppe in einer Studie in den USA mit Männern, deren Ejakulationsfrequenz bei konstant rund fünf Mal im Monat lag. Wer auf die Ejakulation verzichtet, erhöht also sein Krebsrisiko ganz erheblich.

Zum gesundheitlichen Risiko beim Sexentzug kommt das Risiko der "seelischen Gesundheitsstörung" hinzu. Sex führt in der direkten Folge dazu, dass Hormone wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphine ausgeschüttet werden, beziehungsweise deren vermehrte Produktion angestoßen oder provoziert wird. Diese Hormone gelten als sogenannte "Glückshormone". Wenn sie entstehen, wird verhindert, dass das Hormon Cortisol, das Stresshormon, welches auch als "pures Gift" bezeichnet wird, vermehrt produziert wird. Dieses Hormon sorgt unter anderem dafür, dass der Testosteronspiegel sinkt und die Libido in den Keller rutscht. Und wer auf Sex verzichtet, sucht sich oftmals einen Ausgleich – zum Beispiel Arbeit. Bei der Arbeit werden durch Stress noch größere Mengen an Cortisol freigesetzt – ein Teufelskreislauf. Der sexfreie Mensch wird unausgeglichen, griesgrämig, leichter reizbar und nicht selten sogar aggressiv – was letztlich am erhöhten Cortisol-Ausstoß liegt.

Witwer-Syndrom oder der Verlust der Libido

In wirklich ausgeprägten Fällen des Verzichts auf Sexualität droht am Ende sogar der Verlust der Libido. Das bedeutet, der Körper hat sich an die sexuelle Abstinenz gewöhnt und sorgt dafür, dass weniger Testosteron ausgeschüttet wird. Bleiben die Ejakulationen aus oder geht die Frequenz zurück, registriert das der Körper. Schon rund sieben Tage nach der letzten Ejakulation baut sich im Körper der Testosteronspiegel erheblich ab. Schleift sich dieser Zustand ein, hat das Folgeerscheinungen: So wird es zum Beispiel schwerer, Muskelmasse aufzubauen oder beizubehalten. Der Körper "erschlafft" aufgrund des fehlenden Testosterons.

Grundsätzlich ist eine temporäre Enthaltsamkeit kein Problem oder kein großes "Thema". Problematisch wird es erst dann, wenn es sich als Dauerzustand erweist. Wer also sein Prostatakrebsrisiko nachhaltig senken will und seinen Gemütszustand "hell" halten möchte, der sollte sich auch bis ins Alter sexuell betätigen.