Hürriyet Daily News

​Pfotenabdrücke aus dem 13. Jahrhundert auf Ziegeln in der Türkei gefunden

28.12.2018 10:39 Uhr

Ausgrabungen bringen nicht selten kuriose Dinge ans Tageslicht. So auch jetzt in der Türkei. Bei archäologischen Arbeiten im antiken Kadıkalesi (Kadı-Schloss), ehemals auch bekannt als "Anaia", in der Stadt Kuşadası (Provinz Aydın), wurden Pfotenabdrücke von Katzen und Hunden auf Ziegeln aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Bei der Ausgrabung der archäologischen Stätte, die acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt und deren Geschichte mehr als 5.000 Jahre zurückreicht, traten Funde aus dem alten gesellschaftlichen und auch dem wirtschaftlichen Leben ans Tageslicht. Alte Keramikteile nehmen bei diesen Funden und Ausgrabungen eine exponierte Stellung ein, die von Zeynep Mercangöz geleitet wird. Gerade die Keramikfunde lassen Rückschlüsse auf das damalige Leben und die Produktionstätigkeiten zu.

Pfotenabdrücke auf Ziegeln (Bild: Hürriyet Daily News)

Herausragende Funde in Kadıkalesi

In Kuşadası werden die Archäologen regelmäßig fündig und die Keramikstücke in den unterschiedlichsten Farben, Formen und diversen Designs belegen, dass Kadıkalesi in dieser Hinsicht eine Produktionshochburg war. Kadıkalesi hatte damals ein hohes Maß an strategischer Bedeutung und war von daher nie wirklich "verwaist", sondern wurde durch die unterschiedlichen Epochen genutzt. Über viele Jahre diente diese Burg als Akropolis, also als Wehranlage zur Verteidigung. Auch eine Kirche war vorhanden, die im 5. nachchristlichen Jahrhundert erbaut wurde.

Im 15. Jahrhundet (1413) eroberten die Osmanen das Gebiet, nutzten die Wehranlage aber lange Jahrhunderte nicht. Erst im 1. Weltkrieg kam die Akropolis als Schild zum Einsatz. In der Zeit wurde neben der Kirche auch eine Moschee erbaut. Und das zahlt sich im Tourismusbereich aus. In der Vergangenheit waren es aber nicht nur feindliche Armeen, die der Burg zusetzten. Erdbeben haben viele der Säulen und Blöcke zerstört. Diese wurden aber wieder an ihren originalgetreuen Plätzen aufgebaut, wie Frau Mercangöz herausstellte.

Abdrücke von Katzenpfoten auf Ziegeln und Töpferwaren

Bei den Arbeiten an der alten Wehranlage haben Frau Mercangöz und ihr Team interessante Funde gemacht. Gerade die Fliesen- und Ziegelstücke erregten die Aufmerksamkeit der Archäologen. "Alle Töpferwaren, die wir hier vor Ort gefunden haben, werden in der Nähe der Fundorte ausgestellt. Die meisten Ziegelreste weisen Pfotenabdrücke von Katzen und Hunden auf. Wie muss man sich das vorstellen? Die Töpferwaren wurden in der Töpferei aufgestellt, damit sie dort trocknen. Die Tiere, die in den Töpfereien gehalten wurde und dort lebten, kletterten über die noch nassen Töpferwaren und hinterließen so ihre Abdrücke. Uns zeigt das, wie eng Mensch und Tier in dieser Zeit zusammenlebten. Wir konnten bei den Ausgrabungen viele Hundeschädel finden, die unseren Zoologen erstaunliche Erkenntnisse liefern."

Die archäologischen Funde geben jedoch nicht nur über das Zusammenleben von Mensch und Tier Auskünfte als wertvolle Zeitzeugen, sondern auch die wirtschaftlichen Aspekte werden berührt, Es gab byzantinischen Zeit rege Handelsbeziehungen zu Venedig. Diverse Waren und Wein fanden so ihren Weg nach Italien. "Dies war eine Periode mit enormer Wirtschaftstrageweite. Es ist davon auszugehen, dass damals, als man die Region verließ, alle Glaskünstler zusammenkamen – Glas war damals von enormer Bedeutung – und dass diese "Glasmeister" aus Kadıkalesi nach Italien weiterzogen. Es steht zu vermuten, dass es diese Meister waren, welche die italienische Glas-Dynastie quasi begründeten", sagte Mercangöz.

(ce/Hürriyet Daily News)