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​Niederländische Journalistin Ans Boersma aus der Türkei ausgewiesen

17.1.2019 13:11 Uhr

Ans Boersma, eine niederländische Freelance-Journalistin, die seit 2017 ihren Lebensmittelpunkt in Istanbul hat, wurde am 17. Januar aus der Türkei ausgewiesen. Seitens der türkischen Behörden wurden "Sicherheitsgründe" für die Ausweisung angegeben. Zudem soll nach Medienberichten eine Einreisesperre von sechs Jahren verhängt worden sein, gegen die Boersma und ihr Arbeitgeber "Het Financieele Dagblad" Einspruch einlegen wollen.

Die holländische Journalistin war laut ihrem Arbeitgeber – der niederländischen Wirtschaftszeitung "Het Financieele Dagblad" (FD) – auf dem Weg, bei der türkischen Einwanderungsbehörde ihre Aufenthaltserlaubnis in der Türkei zu verlängern. Bereits vor einigen Tagen hatte Ans Boersma ihre 2019er Akkreditierung für die Türkei erhalten – eine Grundvoraussetzung, um im Land zu arbeiten. Mit der Akkreditierung wollte sie eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Bis hier ein völlig normales und übliches Prozedere. In der Einwanderungsbehörde wurde sie am 16. Januar vorübergehend festgenommen, in ein Rückführungszentrum verbracht und von dort aus am 17. Januar mit einem Flug in die Niederlande abgeschoben.

Kontakte zu einer Terrororganisation?

Wie von einigen Medien berichtet wird, sollen niederländische Polizeibehörden die türkischen Kollegen dahingehend informiert haben, seitens Boersma würde es Kontakte zu unbenannten Terrororganisationen geben. Die niederländischen Behörden hüllen sich diesbezüglich noch in Schweigen.

"Ans hat ihre Arbeit sensibel und verantwortungsbewusst durchgeführt", wird Jan Bonjer, Chefredakteur von Het Financieele Dagblad zitiert. Nachdem Ans Boersma die Nacht im Rückführungszentrum verbracht hatte und den Berichten nach nicht mehr in ihre Wohnung durfte, wurde sie am Morgen zum Flughafen gefahren, um von dort einen Frühflug in die Niederlande zu nehmen.

Via Twitter schrieb Ans Boersma am Donnerstag: "Und dann sitzt du plötzlich wieder im Flugzeug zurück in die Niederlande. Zur unerwünschten Person in der Türkei erklärt worden", twitterte sie am 17. Januar. Boersma selbst und "Het Financieele Dagblad" wollen Einspruch gegen ein angeblich bestehendes Einreiseverbot von sechs Jahren in die Türkei einlegen.

Druck niederländischer Gewerkschaften auf die Politik

Wie niederländische Zeitungen berichten, versuchen derzeit einige Gewerkschaften in der "Causa Boersma" Druck auf die holländischen Regierungskreise aufzubauen. Außenminister Stef Blok solle handeln und auf diplomatischer Ebene via Einbestellung des türkischen Botschafters in den Niederlanden scharf gegen die Ausweisung von Ans Boersma protestieren. Als Ultima Ratio, so die niederländische Journalistengewerkschaft, müsse zur Not auch die Aussetzung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern in Betracht gezogen werden.

(HDN)

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