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​Die schönsten Passagen von Beyoglu

22.12.2019 9:31 Uhr

"Pasaj" nennen die Türken ihre Arkaden. Der Istanbuler Stadtteil Beyoglu hat ein paar besonders schöne Exemplare vorzuweisen. Viele befinden sich in viktorianischen Gebäuden, und ihre Shops sind auf verschiedene Etage verteilt. Sie wollen entdeckt werden.

Mit den Blumenhändlern kam der Name

Die Cicek Pasaji datiert zurück ins Osmanische Reich. Damals kamen die Sultane nach Beyoglu ins berühmte Naum-Theater, das sich in der Istiklal Straße befand. Verdis Oper "La Traviata" wurde hier aufgeführt, bevor sie in Paris gezeigt wurde. Im großen Feuer von Beyoglu wurde das Theater zerstört und später als Passage wiederaufgebaut. Wegen der vielen Floristen, die sich dort niederließen, bekam sie ihren Namen: Cicek Pasaji heißt übersetzt Blumenpassage.

Vom Zirkus zum Kino

Die Atlas Pasji ließ ein armenischer Geschäftsmann im Jahr 1870 als private Residenz an der Istiklal Straße erbauen. Unterhalb befand sich eine Scheune, die später in einen Zirkus umgewandelt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts, nachdem das Gebäude Eigentum einer Kirche gewesen war, wurde es in ein Kunst-Center umgewandelt, etwas später in ein großes Kino, das 1.400 Zuschauern Platz bot. Das Atlas-Kino befindet sich dort bis heute, außerdem das Istanbul State Theater. Die mehr als 40 Geschäfte haben sich das historische Flair der osmanischen Zeit bewahrt.

Die Halep Pasaji befindet sich ebenfalls an der Istiklal Straße. Das sechs Stockwerke hohe Gebäude entstand im späten 19 Jahrhundert. Seine eigentliche Passage war ein Varieté-Zirkus, in dem Kunstreiter und Trapezkünstler auftraten. Heute befindet sich darin u. a. das Beyoglu-Kino. Deshalb kennt man diese Passage auch als Beyoglu Passaji.

Vintage, Second-Hand und Accessoires

Die Suriye Passage wurde von einem Syrer erbaut. Sieben Jahre dauerte es, von 1901 bis 1908, bis das neoklassizistische Gebäude fertiggestellt war. Es war das erste in Istanbul, das mit Strom und Gas versorgt wurde. In diesen Arkaden haben sich vor allem Second-Hand-Geschäfte, Vintage-Shops und Läden, in denen es ungewöhnliche Accessoires zu kaufen gibt, angesiedelt.

Die Aznavur Pasaji beherbergte Luxus-Appartements. Sie wurde nach ihrem Architekten benannt, der ihre obere Etage im 20. Jahrhundert mit seiner Familie bewohnte. Heute befinden sich dort Shops, in denen es allerlei ausgefallene Souvenirs, günstigen Schmuck und knallbunte Accessoires gibt. In den oberen Stockwerken haben sich ein Fitness-Studio sowie eine Sprachschule eingerichtet.

Die Aslihan Pasaji ist das Ziel für Vintage-Bücherfans. In diesem auf zwei Etagen verteilten vergnüglichen Labyrinth gibt es jede Menge gebrauchte Bücher, Magazine und Comics. Wer sich für anatolische Mythologie interessiert findet hier ebenso viel wie Fans sogenannter "Schund-Literatur" und zeitgenössischer Kunst.

(jk)

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