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​Beşiktaş gewinnt das Istanbul-Derby gegen Galatasaray

2.12.2018 20:14 Uhr, von Chris Ehrhardt

Für beide Teams ging es um recht viel. Galatasaray Istanbul konnte bei einem Sieg auf Tabellenführer Başakşehir aufschließen und Beşiktaş Istanbul würde bei einem Derbysieg in die Topgruppe der Tabelle stoßen. Hervorragende Voraussetzungen für ein spannendes Derby. Doch der Fokus des Spiels gehörte viel zu oft Schiedsrichter Cüneyt Çakır, der mit "exklusiven Sichtweisen" auffiel.

Die ersten Minuten gingen recht ereignislos vonstatten. Beşiktaş hatte klar mehr Spielanteile, die aber nicht in echte Chancen umgemünzt werden konnten. In der 14 Minute dann die erste strittige Entscheidung von Schiedsrichter Cüneyt Çakır. Pektemek an der Strafraumgrenze hat den Kopf recht tief, Kabak das Bein recht hoch. Im Grunde eine Situation, in welcher der Schiedsrichter gegen beide Spieler entscheiden müsste. Das tat Çakır nicht und entschied auf Freistoß für die Hausherren – innerhalb der Box.

Ljajic semmelte den indirekten Freistoß mit Dampf in die Mauer. Plötzlich wurde das Spiel von Çakır unterbrochen, der sich den Videobeweis anschauen wollte. Der Schweizer Derdiyok hatte sich beim Freistoß seitlich weggedreht und Çakır sah eine "unnatürliche Bewegung" des rechten Armes vom Schweizer, der dann den Ball berührte. Strafstoß! Eine Möglichkeit, bei der man Ljajic nicht zweimal bitte muss – 1:0 für Beşiktaş.

Fortsetzung des Pfeifendramas

Und immer wieder stand Çakır im Mittelpunkt. Doch zuerst nagelte Kabak das Leder in der 33. Minute an die Latte. Dann ging in der 39. Minute Derdiyok nach einem Zweikampf mit Uysal im Strafraum zu Boden. Uysal war ihm "in den Schussfuß" gesprungen. Çakır schaute sich die Szene an und entschied nicht auf Strafstoß. Kurze Zeit später war es dann der Kroate Vida, dem die Kugel an die Hand sprang und auch die Szene fand Çakır nicht elfmeterwürdig. Dass Çakır im Umgang mit Handspielen zu recht exklusiven Entscheidungen neigt, musste der FC Bayern München in der Champions League im Mai dieses Jahres im Spiel gegen Real Madrid erfahren, als der Unparteiische ein absolut eindeutiges Handspiel von Marcelo "einfach ausblendete". So blieb es dann nach 45 Minuten – auf die sechs Nachspielminuten addiert wurden – beim 1:0 für die Schwarzen Adler.

Offensiver Beginn von Galatasaray

Das Team von Fatih Terim kam hochmotiviert aus der Kabine und bestimmte die ersten Spielminuten der zweiten Hälfte. Glück für BJK in der 56. Minute, dass Karius im Tor seinen guten Tag erwischt hatte. Einen Schuss von Fernando parierte der deutsche Torhüter erstklassig. Quaresma nahm einen langen Ball von Medel auf und haute ihn humorlos in die Maschen hinter Keeper Muslera. Doch der Linienrichter hatte sehr berechtigt die Fahne oben – QR7 stand mehr als einen Meter im Abseits. Kein Tor. Das sah auch Çakır so.

In der 66. Minute pfiff dann Elfmeter für Galatasaray. Zumindest zuerst. Onyekuru wurde im Strafraum von Uysal regelwidrig zu Fall gebracht, nachdem der vorher einen kapitalen Querschläger in Slapstick-Format produzierte. Dabei prallte das Leder an den rechten Oberarm von Onyekuru. Grund genug für Schiedsrichter Çakır, den zuvor gegebenen Elfmeter zurückzunehmen. Çakır und die Handspiele – eine kuriose Geschichte findet in der Süper Lig ihre unrühmliche Fortsetzung.

Galatasaray ließ weiter gute Möglichkeiten liegen

In der 71. Minute eine weitere gute Möglichkeit für die Löwen. Fernando auf Onyekuru und der mit der Direktabnahme aus rund 15 Metern. Doch Karius ist auf dem Posten. In der 84. Minute ließ Ömer die Gelegenheit zum Ausgleich liegen, als er eine Hereingabe von Celik am Tor vorbei semmelte. So blieb es dann nach 90 Minuten bei einem 1:0-Heimsieg für Beşiktaş, der jedoch aufgrund der sehr exklusiven Sichtweisen von Çakır einen Nachgeschmack haben wird.

Beşiktaş konnte mit dem Derbysieg durch das bessere Torverhältnis an Galatasaray vorbeiziehen und liegt nun auf dem dritten Tabellenplatz. Galatasaray ist nun Tabellenvierter. Beide Teams trennen vom Ligaprimus Başakşehir an der Tabellenspitze sechs Punkte. Auf dem zweiten Platz liegt mit 25 Punkten Kasımpaşa, die im Montagsspiel gegen Fenerbahçe antreten müssen und bei einem Sieg den Abstand auf Başakşehir auf zwei Zähler verkürzen könnten.