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​Bürgermeister von Edirne in der Kritik wegen Plakat in griechischer Sprache

5.1.2019 10:00 Uhr, von Chris Ehrhardt

Der Bürgermeister von Edirne, der türkischen Grenzprovinz nahe der Grenze zu Griechenland und Bulgarien, sieht sich durch Plakate einem Shitstorm ausgesetzt, als er das neue Jahr für die Touristen der Stadt mit mehrsprachigen Plakaten zu Neujahr ansprach, auf denen der Name der Stadt Edirne als Adrianoupolis oder Adrianopel auf Griechisch geschrieben wurde.

An den Wänden und in Fenstern der Geschäfte in der nordwestlichen Provinz Edirne in der Türkei, die in den letzten sechs Monaten durch den interessanten Wechselkurs weit mehr Touristen als sonst aus den Nachbarländern anzog, wurden Plakate für das neue Jahr in türkischer, griechischer und bulgarischer Sprache aufgehängt. Dabei wird der griechische Bereich zum Zankapfel und zum Aufreger in nationalistischen Kreisen. Auf den Schildern steht: "Wir wünschen uns, dass 2019 der Welt Frieden und Glück bringen wird." So wurde Bürgermeister Recep Gürkan auf einem der Poster im Fußgängerbereich der Stadt Saraçlar zitiert.

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Das sorgte für einen gewaltigen Shitstorm. In den sozialen Medien schlugen Nationalisten verbal auf Gürkan ein, der auf den griechischsprachigen Plakaten als "Bürgermeister von Adrianoupolis" beschrieben wurde.

Shopping-Boom wegen Lira-Kurs in Edirne

"OK, das ist eine nette Geste. Der Name unserer Stadt lautet auf den bulgarischen Plakaten Edirne, bei den griechischen Plakaten lautet er aber Adrianoupolis. Herr Bürgermeister, dies ist keine byzantinische Stadt. Edirne für 88 Jahre die Hauptstadt des Osmanischen Reiches gewesen", sagte Veysel Güner, Präsident der Edirnesektion des "Verbandes der demokratischen Jugend vom 15. Juli". Gürkan hat bisher nicht auf seine Kritiker reagiert.

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Die Abwertung der türkischen Lira gegenüber dem Euro und dem US-Dollar hat laut Gürkans früheren Aussagen eine große Anzahl von Besuchern aus Griechenland und Bulgarien zum Shopping nach Edirne gebracht. Gerade am letzten Wochenende des Jahres waren Menschen aus Bulgarien und Griechenland mit Bussen nach Edirne gereist, um dort ausgiebig einkaufen zu gehen. Anlässlich dieses gesteigerten Interesses auf Shoppingtouren haben die Geschäftsleute der Stadt Preislisten in Bulgarisch und Griechisch in ihre Schaufenster gestellt. Sogar bulgarische Online-Shopping-Websites wurden ins Leben gerufen und kleine "Wörterbücher" sind vorbereitet worden, um potenziellen bulgarischen und griechischen Kunden zu helfen.