epa/Erdem Sahin

Über 20.000 Migranten abgeschoben

27.8.2019 20:11 Uhr

Seit Mitte Juli hat das Gouverneursamt der türkischen Metropole Istanbul fast 21.000 Migranten aus der Stadt abgeschoben. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme hieß es, dass 16 423 "illegale Migranten" in Abschiebezentren gebracht worden seien, die sich wegen "unregulierter Migration" in der Stadt aufhielten.

Sie sollen in ihre Heimatländer zurück. Außerdem seien 4500 Syrer, die bisher nicht registriert seien, in Flüchtlingslagern außerhalb der Stadt untergebracht worden. Syrische Flüchtlinge stehen in der Türkei unter "temporärem Schutz".

Innenminister Süleyman Soylu hatte vergangene Woche darauf verwiesen, dass die Kapazitäten in Istanbul überschritten seien. Hier sind mehr als 500.000 Syrer offiziell gemeldet. Mindestens weitere 300.000 Syrer sollen dort leben, aber in anderen Städten registriert sein. Andere Syrer sind demnach bisher gar nicht in der Türkei registriert.

Frist lief am 20. August ab

Ende Juli hatte der Gouverneur in Istanbul nicht gemeldeten Syrern eine Frist bis zum 20. August gesetzt, um die Stadt zu verlassen. Ansonsten würden sie in die Provinz zurückgebracht, in der sie gemeldet seien. Mittlerweile gilt die Frist bis zum 30. Oktober. Bisher gar nicht in der Türkei registrierte Syrer sollen in "für Registrierung offene" Provinzen gebracht werden. Ausgenommen sind laut der Gouverneurserklärung vom Dienstag Familien, die Kinder an Grundschulen haben, Waisen, Unistudenten und Unternehmer. Ähnliche Programme setzt die Regierung auch in anderen Städten um.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien im Jahr 2011 rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen - mehr als jedes andere Land der Welt. Die von vielen lange gelebte Willkommenskultur hatte sich teilweise jüngst gedreht, auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch werfen der Regierung vor, Syrer auch in Kriegsgebiete abzuschieben, zum Beispiel ins nordsyrische Idlib. Innenminister Soylu hat das bestritten. Gleichzeitig ist die Türkei Durchgangsland für Zehntausende Migranten und Flüchtlinge aus anderen Ländern wie Afghanistan, die versuchen, von hier aus in die EU zu gelangen.

(an/dpa)

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