Hürriyet

Ärzten droht Haft wegen Meldepflichtverstoß bei Teenager-Schwangerschaften

30.5.2019 23:30 Uhr, von Chris Ehrhardt

Die Staatsanwaltschaft in Istanbul will 18 Ärzte mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und dreieinhalb Jahren verurteilt sehen, weil sie die Behörden nicht über die Schwangerschaften von zumeist syrischen Mädchen im Teenageralter informiert haben. Die Türkei fährt aktuell eine Zero-Tolerance-Politik bei Teenager-Schwangerschaften.

In der Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft Bakirköy hieß es, die Ärzte hätten die Justizbehörden nicht über 348 schwangere Minderjährige informiert, von denen die Mehrheit junge Syrerinnen waren und die 2017 einen Antrag auf medizinische Versorgung im Ausbildungs- und Forschungskrankenhaus Bagcilar stellten. Die Anklage fordert zwischen sechs Monaten und dreieinhalb Jahren Gefängnis für zehn Ärzte, weil sie den Justizbehörden mehr als eine Schwangerschaft bei Minderjährigen nicht gemeldet hatten und wie es gesetzlich vorgeschrieben sein. Auf Haftstrafen von sechs Monaten bis zwei Jahren wird bei acht Ärzten plädiert Gefängnis für jeden der acht Ärzte für je eine nicht gemeldete Schwangerschaft bei Minderjährigen.

Gemäß den Vorschriften, welche das Gesundheitsministerium durchgesetzt sehen will, müssen Staatsanwaltschaft oder Polizei in allen Fällen von Schwangerschaften unter 18 Jahren unterrichtet werden. Fälle, bei denen Jugendliche unter 15 Jahren beteiligt sind, gelten automatisch als "sexueller Missbrauch". Von den 348 mehrheitlich syrischen schwangeren Minderjährigen waren 34 jünger als 15 Jahre, hieß es in der Anklageschrift. Die angeklagten 18 Ärzte werden sich in den kommenden Tagen vor dem 2. Strafgericht von Bakirköy in erster Instanz einlassen müssen.